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Joseph, we need to talk

Mit diesem höchst originellen Update der Weihnachtsgeschichte (auf das mich @andraseits dankenswerter Weise hingewiesen hat) wünsche ich allen Digital Natives und ebenso allen Digital Immigrants Fröhliche Feste und gutes Rutschen!!

Digital Natives

Nun also doch: Ich hatte mehr der Metaphorik wegen schon mehrfach behauptet, die Digital Natives würden schon mit Handy am Ohr geboren, z.B. hier im Bericht von der mb21-Jury 2004: „Sie sind sozialisiert durch Google, Amazon und Ebay, kommunizieren per Email und SMS, als wäre das eine selbstverständliche Kulturtradition, downloaden ihre Musik aus dem Web, bewegen sich schwindelfrei in einem immer stärker digitalisierten Medienalltag aus Laptop und iPod, PDA und Wlan und werden vermutlich bald mit Handy am Ohr geboren.“
Nun ist es also soweit. Im (leider schon veralteten) Call for Proposals bei Next Nature habe ich dieses Beweisfoto von Koert van Mensvoort gefunden.

Das Morgen trifft auf vorgestern

Heute morgen überrascht mich die taz mit der Ankündigung, ab sofort in loser Folge das „Lernen2.0“ zu beleuchten: Mit Reportagen aus Laptop-Klassen, Portraits von Lernen mit Blogs und Wikis, Interviews mit Vordenkern des neuen Lernens. (siehe diesen Artikel, Randbemerkung)

Das hat mich relativ verblüfft, weil das Buzzword „Lernen2.0“ zwar durchaus schon hier und da aufgetaucht ist, aber ich es als noch nicht so schwerwiegend angesehen hatte, dass die taz gleich eine Folge dazu anschiebt. Aber vielleicht bewegen sich die Dinge doch viel schneller als gedacht …

Passend zum Geschwindigkeitsthema lese ich um 16:12 Uhr eine mail, die ralfa um 13:57 Uhr herumschickte (erste Kommentare von roitsch um 14:29) mit dem Hinweis auf die neue Kampagne der Kaplan-University, aufgeschnappt „natürlich per twitter“, wie ralfa schrieb (um z.B. mich endlich zum aktiven Twittern zu überreden): twitter.com/OwenKelly/status/1101716232 (thanks Owen!!).

Und dann überrascht mich der Clip selbst auch noch wieder bzgl. Geschwindigkeit der Change-Management-Prozesse … „I stand before you today …“, spricht der Hochschullehrer da, „… to apologize. The system has failed … “ – Wer hätte das (jetzt schon) erwartet? Ein (Hoch-)Schullehrer, der sich für das Bildungssystem entschuldigt „steeped in traditions and old ideas“ – unbedingt angucken!!

The times they are a changing …

Internet in der Hosentasche

Bei Dangerously Irrelevant habe ich dies gefunden: Wenn die digital natives das Internet in der Hosentasche mit sich herumtragen, macht es keinen wirklichen Sinn mehr, Fragen zu stellen, die sich per copy/paste aus (z.B.) der wikipedia beantworten lassen.

Scott McLeod hatte zu diesem Thema schon vor einiger Zeit einen ganz interessanten blog-Beitrag verfasst: Ein Quiz bestehend aus zwanzig Fragen, die direkt verlinkt sind mit den zugehörigen Google-Suchergebnissen. Für nahezu alle Fragen liefert Google bereits mit dem ersten oder zweiten Ergebnis die richtige Antwort …

Horizonte und Visionen 2008

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, soll Alt-Bundeskanzler Schmidt gesagt haben. Das könnte Vorlage für das obige Video gewesen sein: „Essay about the Future.“

Einen möglicherweise vergleichbaren Blick in die Zukunft bietet der Horizon Report für 2008, der vor ein paar Tagen herausgekommen ist. Seit 2002 betreiben New Media Consortium und EDUCAUSE learning initiative das Projekt. Jährlich wird ein Ausblick auf wesentlich erscheinende Entwicklungen im Bereich der Medientechnologien und ihre vermuteten Wirkungen auf den Bildungsbereich gegeben. Schwerpunkt liegt dabei auf dem Hochschulsektor, aber mit etwas Interpolation können Schlüsse für die allgemeinbildende Schule gezogen werden.

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Neben der Identifizierung der „Key Emerging Technologies“ (jeweils mit Beispielen und weiterführenden Links) werden damit verbundene „Significant Trends“ und „Critical Challenges“ beschrieben:

Key Emerging Technologies in 3 Time-to-Adaption-Horizons:

1 year or less

  • Grassroots Video
  • Collaboration Webs

2 to 3 years

  • Mobile Broadband (siehe dazu auch das obige Video)
  • Data Mashups

4 to 5 years

  • Collective Intelligence
  • Social Operating Systems

Critical Challenges:

  • Significant shifts in scholarship, research, creative expression, and learning have created a need for innovation and leadership at all levels of the academy.
  • Higher education is facing a growing expectation to deliver services, content and media to mobile and personal devices.
  • The renewed emphasis on collaborative learning is pushing the educational community to develop new forms of interaction and assessment.
  • The academy is faced with a need to provide formal instruction in information, visual, and technological literacy as well as in how to create meaningful content with today’s tools.

Significant Trends:

  • The growing use of Web 2.0 and social networking—combined with collective intelligence and mass amateurization—is gradually but inexorably changing the practice of scholarship.
  • The way we work, collaborate, and communicate is evolving as boundaries become more fluid and globalization increases.
  • Access to—and portability of—content is increasing as smaller, more powerful devices are introduced.
  • The gap between students’ perception of technology and that of faculty continues to widen.

Download des Horizon Report 2008 als PDF: www.nmc.org/pdf/2008-Horizon-Report.pdf

From calamari to cellphone college

„In fünf Schritten von Würstchen zu Plato“ hatte ich hier (S.46) Umberto Eco zitiert: „Aber ich sammelte Erfahrungen, akkumulierte Kenntnisse und warf nichts weg. Alles wurde säuberlich in Karteien verzettelt. Ich dachte noch nicht daran, die Karteien in einen Computer zu übertragen …, aber ich hatte mir eine Art künstliches Gedächtnis aus Kärtchen mit Querverweisen geschaffen. Kant – Nebelfleck – Laplace … Kant – Königsberg – die sieben Brücken von Königsberg – Theoreme der Topologie … Ein bißchen wie jenes Spiel, bei dem man durch Assoziation in fünf Schritten von Würstchen zu Plato gelangen soll. Sehen wir mal: Würstchen – Schwein – Borste – Pinsel – Manierismus – Idee – Plato. Leicht.“ (Eco, U.: Das Foucaultsche Pendel. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1993, 266)
Daran musste ich gerade wieder denken anlässlich der iPod-Werbung, auf die Beat Doebeli hinweist. Er schreibt, der Spot sei bestens geeignet, „die Fachbegriffe Konvergenz, mobile computing, ubiquitous computing (Biblionetz:w00533) und location based services (LBS) (Biblionetz:w01010) allgemein verständlich zu erklären.“
Daran erinnert wurde ich wiederum durch Weys Hinweis auf diesen Artikel aus der Chinapost: Cellphone college class opens in Japan. Die Cyber University bietet nun erstmals Kurse fürs Handy an: „For classes for personal computers, the lecture downloads play on the monitor as text and images in the middle, and a smaller video of the lecturer shows in the corner, complete with sound. The cellphone version, which pops up as streaming video on the handset’s tiny screen, plays just the Power Point images.“
Zurzeit ist das hier noch nicht recht vorstellbar (wie wir im Rahmen ePUSH gerade durch Gespräche mit Lehrenden der Fakultät festgestellt haben), aber mittelfristig werden iPhone ff wohl die Hochschule und Schule ganz gewaltig verändern. Wenn jeder Schüler die Wikipedia, das Internet, „das Wissen der Welt“ (so warb Lycos Ende der 1990er Jahre für das Internet) in der Hosentasche mit sich herumträgt, wird Schule von anderen Prämissen ausgehen müssen als z.B. der „An-eignung von Wissen“ (oder gar dem „Durchnehmen“ von „Stoff“).

Siehe dazu auch den Horizon Report 2007 über Mobile Phones (Time-to-adoption Horizon: Two to Three Years): „The convergence of ubiquitous broadband, portable devices, and tiny computers has changed our concept of what a phone is meant to be. A pocket-sized connection to the digital world, the mobile phone keeps us in touch with our families, friends, and colleagues by more than just voice. Our phones are address books, file storage devices, cameras, video recorders, wayfinders, and hand-held portals to the Internet—and they don’t stop there. The ubiquity of mobile phones, combined with their many capabilities, makes them an ideal platform for educational content and activities. We are only just beginning to take advantage of the possibilities they will offer.“

Von Pirat zu Wissensmanagement in fünf Schritten? Leicht … (dazu übrigens auch: Die Macht der neuen digitalen Unordnung (P. Baumgartner über David Weinbergers „Everything Is Miscellaneous. The Power of the New Digital Disorder“))

Siehe dazu auch Michael Weschs Information R/evolution, aber auch schon Ted Nelson anno 1974: Subjects? There are no subjects. Everything is deeply intertwingled.