Schlagwort-Archive: ubiquity

Visualisierung der Hashtag-Epidemie #unibrennt

Dank roitsch del.icio.us-Hinweis bin ich auf diese wunderbare Visualisierung der Ausbreitung der #unibrennt-Aktivitäten via twitter gestoßen. Wirklich interessant!! Das Potential dieser 2.0-Kommunikationsumwelten ist längst noch nicht ausgeschöpft!! Wer hätte etwa angesichts altavista, infoseek etc vorhergesehen, dass www-Suchmaschinen einmal ganz offiziell den Gesundheitsbehörden zur Verfolgung von Grippe-Epidemien dienen würden? -> www.google.org/flutrends

Weiteres höchst interessantes Infomaterial aus visuell aufbereitetem statischem Rohmaterial bzgl. #unibrennt siehe wissenbelastet.com

Das Morgen trifft auf vorgestern

Heute morgen überrascht mich die taz mit der Ankündigung, ab sofort in loser Folge das „Lernen2.0“ zu beleuchten: Mit Reportagen aus Laptop-Klassen, Portraits von Lernen mit Blogs und Wikis, Interviews mit Vordenkern des neuen Lernens. (siehe diesen Artikel, Randbemerkung)

Das hat mich relativ verblüfft, weil das Buzzword „Lernen2.0“ zwar durchaus schon hier und da aufgetaucht ist, aber ich es als noch nicht so schwerwiegend angesehen hatte, dass die taz gleich eine Folge dazu anschiebt. Aber vielleicht bewegen sich die Dinge doch viel schneller als gedacht …

Passend zum Geschwindigkeitsthema lese ich um 16:12 Uhr eine mail, die ralfa um 13:57 Uhr herumschickte (erste Kommentare von roitsch um 14:29) mit dem Hinweis auf die neue Kampagne der Kaplan-University, aufgeschnappt „natürlich per twitter“, wie ralfa schrieb (um z.B. mich endlich zum aktiven Twittern zu überreden): twitter.com/OwenKelly/status/1101716232 (thanks Owen!!).

Und dann überrascht mich der Clip selbst auch noch wieder bzgl. Geschwindigkeit der Change-Management-Prozesse … „I stand before you today …“, spricht der Hochschullehrer da, „… to apologize. The system has failed … “ – Wer hätte das (jetzt schon) erwartet? Ein (Hoch-)Schullehrer, der sich für das Bildungssystem entschuldigt „steeped in traditions and old ideas“ – unbedingt angucken!!

The times they are a changing …

eLearning-Barometer SoSe 08: EPB weiterhin Fackelträger

barometer08.jpg

Das eLearning-Barometer für die Universität Hamburg wurde upgedated mit den Daten bis zum Wintersemester 2007/08. Ganz wunderbar deutlich wird die Fortsetzung des Trends: Die Fakultät EPB bleibt hier Fackelträger.

Problematisch am eLearning-Barometer bleibt aber weiterhin, dass lediglich die Nutzung der beiden vom Regionalen Rechenzentrum der Universität Hamburg gehosteten Plattformen CommSy und Blackboard erfasst werden. Beispielsweise nutzt die Fakultät Medizin ein selbstgehostetes Moodle-System und macht nur deshalb in dieser Statistik eine relativ schlechte Figur.

Interessanter als der Vergleich der großen Plattformen untereinander wäre aber inzwischen ohnehin, inwieweit blogs, wikis, social bookmarking, social networking Plattformen usw. Einzug in die Praxis der Lehre halten. Ich vermute hier noch erheblich steilere Zuwachsraten als selbst die CommSy-Nutzungsraten an unserer Fakultät. Würden aber diese web2nulligen Tools mit erfasst, dann würde eigentlich auch der Titel „eLearning-Barometer“ nur noch sehr wenig Sinn machen. Denn – so verstehe ich die web2.0-ff-Philosophie – auf das e sollte man jetzt allmählich verzichten (auch um falsche Assoziationen zu vermeiden). Der selbstverständliche Einsatz aktueller Medientechnologien in der universitären Lehre wird langsam, aber sicher zur Normalität. Projekte wie z.B. ePush beschleunigen diese Entwicklung zwar, aber durch die neuen Studierendengenerationen (die medientechnologisch ganz anders sozialisiert sind, als es selbst mancher eLearning-Fachmann wahrhaben will) werden die aktuellen Informations- und Kommunikatonstechnologien über kurz oder lang bottom-up in die Universitäten hineinwachsen.

Deshalb werden wir im Rahmen des neuen online-Portals für das fakultäre Leben life.epb.uni-hamburg.de noch andere Parameter dieses Entwicklungsprozesses an der Fakultät EPB zu erfassen und zu visualieren versuchen: Anzahl der bloggenden Professoren, word-counts in Lehr-Wikis, Onlinestunden von studentischen Arbeitsplatzrechnern, Qualität der auf ePortfolio-Arbeit basierenden Prüfungen usw. usf. … (weitere intelligente und originelle Vorschläge bitte mailden!!)

Horizonte und Visionen 2008

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, soll Alt-Bundeskanzler Schmidt gesagt haben. Das könnte Vorlage für das obige Video gewesen sein: „Essay about the Future.“

Einen möglicherweise vergleichbaren Blick in die Zukunft bietet der Horizon Report für 2008, der vor ein paar Tagen herausgekommen ist. Seit 2002 betreiben New Media Consortium und EDUCAUSE learning initiative das Projekt. Jährlich wird ein Ausblick auf wesentlich erscheinende Entwicklungen im Bereich der Medientechnologien und ihre vermuteten Wirkungen auf den Bildungsbereich gegeben. Schwerpunkt liegt dabei auf dem Hochschulsektor, aber mit etwas Interpolation können Schlüsse für die allgemeinbildende Schule gezogen werden.

hr08cover.gif

Neben der Identifizierung der „Key Emerging Technologies“ (jeweils mit Beispielen und weiterführenden Links) werden damit verbundene „Significant Trends“ und „Critical Challenges“ beschrieben:

Key Emerging Technologies in 3 Time-to-Adaption-Horizons:

1 year or less

  • Grassroots Video
  • Collaboration Webs

2 to 3 years

  • Mobile Broadband (siehe dazu auch das obige Video)
  • Data Mashups

4 to 5 years

  • Collective Intelligence
  • Social Operating Systems

Critical Challenges:

  • Significant shifts in scholarship, research, creative expression, and learning have created a need for innovation and leadership at all levels of the academy.
  • Higher education is facing a growing expectation to deliver services, content and media to mobile and personal devices.
  • The renewed emphasis on collaborative learning is pushing the educational community to develop new forms of interaction and assessment.
  • The academy is faced with a need to provide formal instruction in information, visual, and technological literacy as well as in how to create meaningful content with today’s tools.

Significant Trends:

  • The growing use of Web 2.0 and social networking—combined with collective intelligence and mass amateurization—is gradually but inexorably changing the practice of scholarship.
  • The way we work, collaborate, and communicate is evolving as boundaries become more fluid and globalization increases.
  • Access to—and portability of—content is increasing as smaller, more powerful devices are introduced.
  • The gap between students’ perception of technology and that of faculty continues to widen.

Download des Horizon Report 2008 als PDF: www.nmc.org/pdf/2008-Horizon-Report.pdf

Dirk Baeckers Studien zur nächsten Gesellschaft

baecker.jpg

Ursprünglich auf Empfehlung von Karl-Josef Pazzini las ich schon vor einiger Zeit Dirk Baeckers im Lettre International (Nr. 77, Sommer 2007, S. 82-85) erschienen Beitrag über „Die nächste Universität“. Nach weiteren Recherchen in ebenfalls höchst interessanten Texten in Dirk Baecker’s Web Journal hätte ich ihn gern bei der geplanten Ringvorlesung Medien & Bildung, Semesterthema „Die digitale Zukunft der Universität“ in Hamburg gehabt. Leider musste er jedoch absagen und kann im Sommersemester nicht dabei sein. Er verwies außerdem darauf, dass er seine Überlegungen zur nächsten Universität schon einmal in Hamburg vorgetragen hat. Siehe dazu das kurze Statement im Podcampus.

29456.jpg

Umso lesenswerter ist darum sein neustes Buch „Studien zur nächsten Gesellschaft“, in dem auch jener o.g. Text zur „Universität der nächsten Gesellschaft“ enthalten ist. Baecker geht aus von „nichts Geringerem […] als der Vermutung, dass die Einführung des Computers für die Gesellschaft ebenso dramatische Folgen hat wie zuvor nur die Einführung der Sprache, der Schrift und des Buchdrucks.“ (Studien zur nächsten Gesellschaft, S. 7)
Baecker schließt damit an „die von Marshall McLuhan, Manuel Castells, Niklas Luhmann und anderen [nicht zuletzt Régis Debray, TM] formulierte Vermutung, dass nur Weniges eine so große Bedeutung für die Strukturen der Gesellschaft hat wie das jeweils dominierende Verbreitungsmedium“ und kommt zu der Anschlussannahme, „dass sich die Universität der auf Schrift basierenden Hochkultur der antiken Adelsgesellschaft von der Universität der auf Buchdruck basierenden Moderne ebenso sehr unterscheidet wie Letztere von der auf dem Computer beruhenden »nächsten Gesellschaft«, wie der Managementdenker Peter F. Drucker sie getauft hat.“ (S. 102f)

Im Überblick:
Die Einführung der Sprache konstituierte die Stammesgesellschaft,
die Einführung der Schrift die antike Hochkultur,
die Einführung des Buchdrucks die moderne Gesellschaft und
die Einführung des Computers die nächste Gesellschaft (= Gesellschaft 2.0?)

Die Universität der nächsten Gesellschaft wird laut Baecker „die Themen ihrer Lehre und die Problemstellungen ihrer Forschung in den Horizont und Kontext der Weltgesellschaft stellen. Und sie wird sich eine elektronische Infrastruktur schaffen, die es ihr erlaubt, ein eigenes Gedächtnis im Umgang mit der Kontrollstruktur einer hochgradig verteilten Gesellschaft zu erwerben und zu pflegen.“ Das sollte bei den gegenwärtigen Diskussionen über zukünftige ICT-Strategien zwischen den FIOs der einzelnen Fakultäten und CIO der Universität Hamburg ebenso wie selbstverständlich auch im Projekt ePUSH mitbedacht werden: „Wenn die Zeichen des Web 2.0 nicht trügen, wird sie ihren Ehrgeiz nicht zuletzt auch dort investieren, wo es darum geht, sich eigene web agents und information robots auszudenken und einzusetzen, die das Datenuniversum nach eigenen Selektionsregeln durchforsten, und mit eigenen web services aufzuwarten, die dieses Universum Studierenden, Dozenten und Praktikern zugänglich machen.“ (S. 114)

Für das Selbstverständnis der an der Universität der nächsten Gesellschaft arbeitenden Wissenswerker ist auch dieser Ausblick (der meiner Wahrnehmung nach schon keiner mehr ist) erhellend: Eine Promotion an der Universität der nächsten Gesellschaft „hätte nicht mehr den kritischen Umgang mit Büchern, sondern den operativen Umgang mit Komplexität zum Paradigma. Sie würde auf Seiten der Betreuer wie der Promovenden von vornherein damit rechnen, dass jede Realitätsebene, auf die man sich einlässt, nur eine Perspektive unter anderen Perspektiven erschließt und daher die Existenz der anderen Perspektiven so mit ins Kalkül nehmen muss […] Mitten in der Flut der Daten, eingebettet in einen Wissenschaftsbetrieb, der produktiv ist wie selten zuvor in der Wissenschaftsgeschichte der Gesellschaft, eingesperrt in eine Universität, die rücksichtsloser als je zuvor in den Dienst einer sich selber nur schlecht als Wissensgesellschaft verstehenden Gesellschaft gestellt wird, unterstützt von Computern, die mit der Möglichkeiten der Visualisierung noch der kompliziertesten Phänomene faszinieren, muss der Promovend erkennen, dass er nichts weiß. Er muss erkennen, dass er systematisch nichts weiß, das heißt nur dann Zugang zur Systemform des Wissens gewinnt, wenn er die Ignoranz im gezielten Sinne aktueller Erkenntnistheorie, das heißt im Sinne eines »ethischen«, wenn nicht »kybernethischen« Könnens pflegt.“ (S. 143f)

Eine wunderbar treffende Formulierung von Dirk Baecker noch: „Nach wie vor können Wetten darauf abgeschlossen werden, worin die Kulturform bestehen wird, die der Überforderung der aktuellen Gesellschaft durch den Computer gewachsen sein wird.“ (S. 125)

Vorab lesenswert sind auch die Rezensionen in der FAZ und – ganz frisch – in der taz.

From calamari to cellphone college

„In fünf Schritten von Würstchen zu Plato“ hatte ich hier (S.46) Umberto Eco zitiert: „Aber ich sammelte Erfahrungen, akkumulierte Kenntnisse und warf nichts weg. Alles wurde säuberlich in Karteien verzettelt. Ich dachte noch nicht daran, die Karteien in einen Computer zu übertragen …, aber ich hatte mir eine Art künstliches Gedächtnis aus Kärtchen mit Querverweisen geschaffen. Kant – Nebelfleck – Laplace … Kant – Königsberg – die sieben Brücken von Königsberg – Theoreme der Topologie … Ein bißchen wie jenes Spiel, bei dem man durch Assoziation in fünf Schritten von Würstchen zu Plato gelangen soll. Sehen wir mal: Würstchen – Schwein – Borste – Pinsel – Manierismus – Idee – Plato. Leicht.“ (Eco, U.: Das Foucaultsche Pendel. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1993, 266)
Daran musste ich gerade wieder denken anlässlich der iPod-Werbung, auf die Beat Doebeli hinweist. Er schreibt, der Spot sei bestens geeignet, „die Fachbegriffe Konvergenz, mobile computing, ubiquitous computing (Biblionetz:w00533) und location based services (LBS) (Biblionetz:w01010) allgemein verständlich zu erklären.“
Daran erinnert wurde ich wiederum durch Weys Hinweis auf diesen Artikel aus der Chinapost: Cellphone college class opens in Japan. Die Cyber University bietet nun erstmals Kurse fürs Handy an: „For classes for personal computers, the lecture downloads play on the monitor as text and images in the middle, and a smaller video of the lecturer shows in the corner, complete with sound. The cellphone version, which pops up as streaming video on the handset’s tiny screen, plays just the Power Point images.“
Zurzeit ist das hier noch nicht recht vorstellbar (wie wir im Rahmen ePUSH gerade durch Gespräche mit Lehrenden der Fakultät festgestellt haben), aber mittelfristig werden iPhone ff wohl die Hochschule und Schule ganz gewaltig verändern. Wenn jeder Schüler die Wikipedia, das Internet, „das Wissen der Welt“ (so warb Lycos Ende der 1990er Jahre für das Internet) in der Hosentasche mit sich herumträgt, wird Schule von anderen Prämissen ausgehen müssen als z.B. der „An-eignung von Wissen“ (oder gar dem „Durchnehmen“ von „Stoff“).

Siehe dazu auch den Horizon Report 2007 über Mobile Phones (Time-to-adoption Horizon: Two to Three Years): „The convergence of ubiquitous broadband, portable devices, and tiny computers has changed our concept of what a phone is meant to be. A pocket-sized connection to the digital world, the mobile phone keeps us in touch with our families, friends, and colleagues by more than just voice. Our phones are address books, file storage devices, cameras, video recorders, wayfinders, and hand-held portals to the Internet—and they don’t stop there. The ubiquity of mobile phones, combined with their many capabilities, makes them an ideal platform for educational content and activities. We are only just beginning to take advantage of the possibilities they will offer.“

Von Pirat zu Wissensmanagement in fünf Schritten? Leicht … (dazu übrigens auch: Die Macht der neuen digitalen Unordnung (P. Baumgartner über David Weinbergers „Everything Is Miscellaneous. The Power of the New Digital Disorder“))

Siehe dazu auch Michael Weschs Information R/evolution, aber auch schon Ted Nelson anno 1974: Subjects? There are no subjects. Everything is deeply intertwingled.