Promotionen

Gila Kolb (HKB Bern)

Zeichnen können. Studien zu einem Paradigma der Kunstpädagogik

Die Arbeit befragt den Könnensbegriff in der Kunstpädagogik vor dem Hintergrund des Zeichnens im Kunstunterricht. Innerhalb einer qualitativ – empirischen Erhebung wird aufgezeigt, was SchülerInnen im Kunstunterricht unter einer „guten Zeichnung“ verstehen und wie sie diese anfertigen. Zusammen mit einer ideengeschichtlichen Analyse der aktuellen Konzepte des Könnens legt die Untersuchung Grund für einen aktualisierten Begriff von Können im Kunstunterricht.
aligblok.de

 

Konstanze Schütze (Universität zu Köln)

Bildlichkeit nach dem Internet. Aktualisierungen für eine Kunstvermittlung am Bild

Schriftenreihe Kunst Medien Bildung, Bd. 3, München 2020.

Nie zuvor stand das künstlerische Bild in seiner Bedeutung so sehr infrage wie unter den Bedingungen der Gegenwart. Die massenhafte Produktion und Verbreitung digitaler Bilder bedingt eine strukturelle Unverfügbarkeit von Originalen und etabliert das Primat der Kopie. Obwohl der internationale Kunstmarkt nach wie vor Höchstpreise für einzelne Kunstwerke erzielt, scheint das künstlerische Bild langsam im Meer der visuellen Äußerungen unterzugehen. Büßt die Kunst damit auch ihre seismografischen Qualitäten und kritischen Potenziale ein oder kann sie ihre Rolle als Instanz gesellschaftlicher Reflektion erhalten? Die Autorin untersucht das künstlerische Bild der Gegenwart in seinen Wirkungszusammenhängen als Denkmodell und Akteur. Sie zeigt auf, wie fundamental das, was Kunsttheorie und Kunstpädagogik bisher als Einzelbild beschrieben haben, Veränderungen unterworfen ist. Dagegen setzt sie ein Verständnis von Bildergruppen und Bildkomplexen, in denen das Einzelbild heute eingebettet ist, und arbeitet das Potenzial dieser produktiven Überlagerungsverhältnisse als bodies of images heraus. Das Buch ist gleichzeitig ein leidenschaftliches Plädoyer für eine zukünftige Kunstpädagogik, die auf die veränderten Anforderungen mit neuen Werkzeugen, Strategien und Haltungen reagiert. Es bietet Impulse für kritisches kunstpädagogisches Handeln und fordert eine Aktualisierung im Umgang mit dem Bild.

 

Gesa Krebber (Universität zu Köln)

Kollaboration in der Kunstpädagogik

Studien zu neuen Formen gemeinschaftlicher Praktiken unter den Bedingungen digitaler Medienkulturen

Schriftenreihe Kunst Medien Bildung, Bd. 4, München 2020.

Aktuell rücken Phänomene der Kollaboration ins Zentrum. Mit der Forschungsarbeit geht die Kunstpädagogin Gesa Krebber Formen der Kollaboration auf die Spur. In der Exploration rücken dabei neue Formen der Gemeinschaftlichkeit und Zusammenarbeit im digitalen Kontext in den Fokus, bei der eine Vielzahl von Akteur*innen komplex interagieren. In diesen meist impliziten Kollaborationsphänomenen liegt ein Transformationspotential für die Kunstpädagogik zu Grunde, das es zu beschreiben und zu nutzen gilt. In ihrer Analyse ermittelt Gesa Krebber einen aktuellen kunstpädagogischen Begriff von Kollaboration, der quer durch bestehende Konzepte und Kategorien greift. Was ist unser Verständnis des lernenden und ästhetisch agierenden Subjekts? Wie fokussiert sind wir auf das Geniekonzept? Die von Krebber entwickelte kollaborative Perspektive eröffnet neue Anschlüsse zu einer Vielzahl kunstpädagogischer Debatten und kunstdidaktischer Arbeitsweisen in der digitalen Medienkultur. Innovativ ist die vielperspektivische, situative Herangehensweise, bei der akademische Theorien und Praxiswissen verflochten werden.

 

 

Florian Pfab (Universität Regensburg, Erstbetreuung Prof. Dr. Birgit Eiglsperger)

Kreativität im künstlerischen Gestaltungsprozess. Entwurf einer Systemtheoretischen Definition

transcript Verlag 2019

Dass der Begriff »Kreativität« mit dem künstlerischen Gestaltungsprozess verknüpft ist, scheint eine kaum hinterfragte Selbstverständlichkeit. Da durch die gestiegene Relevanz und die veränderte Funktion der Kreativität in Wissenschaft und Gesellschaft ihre Bedeutung jedoch immer wieder neu verhandelt wird, muss auch die Verbindung zwischen Kreativität und Kunst mit ihren Bedingungen und Funktionen neu gedacht werden.

Florian Pfab nähert sich der »Kreativität« aus einer begriffsanalytischen Perspektive. Mit den Mitteln der Systemtheorie entwirft er eine Definition, die den Forderungen an den Begriff zwischen Schöpfermythos und evolutionärem Prinzip mit Blick auf den künstlerischen Gestaltungsprozess gerecht wird.

 

 

 

Laufende Promotionsprojekte

 

Annemarie Hahn

Zum Verhältnis dinglicher und menschlicher Akteur*innen in der Konstitution inklusiver Subjekte in der Kunstpädagogik unter (post)digitalen Bedingungen (Arbeitstitel)

In kreativen und künstlerischen Feldern macht sich derzeit eine Verschiebung von Subjektpositionen bemerkbar, die durch gegenwärtige postdigitale Kulturen bedingt ist. Diese ist vom singulären Künstler*innensubjekt hin zu Netzwerken menschlicher und nicht-menschlicher Akteur*innen in Produktion und Distribution sowie den damit assoziierten Diskursen beobachtbar. Auch in bestimmten Ansätzen der Bildungswissenschaften und der Dis/ability Studies ist eine Neuverortung des Subjekts zu erkennen. In der Kunstpädagogik spielen akteurstheoretische und agentielle Ansätze jedoch nur eine marginale Rolle, obwohl diese gerade für inklusive kunstpädagogische Theoriebildung Schnittstellen bereithalten.
Dieses Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, diese Schnittstellen zu identifizieren, um einen Ansatz für Inklusion in der Kunstpädagogik vor dem Hintergrund aktueller Medienkulturen zu entwickeln.
annemariehahn.com

 

Julian Hoffmann (Universität zu Köln; Erstbetreuung Prof. Dr. Carolin Höfler)

Übersetzungsprozesse – Rezeptionspraktiken des Digitalen als Dispositiv der Kunstvermittlung (Arbeitstitel)

Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird der Frage nachgegangen, wie sich Wahrnehmungsweisen von Kunstrezipient:innen in einer digitalisierten Kommunikationskultur verändert haben und wie sich dies auf die Ausstellungs- und Vermittlungspraxis von Kunstmuseen auswirkt. Es werden Praktiken, Konzepte und Medien des Kunstvermittelns respektive der kuratorischen Praxis analysiert, die als Vernetzungs- und Übersetzungsprozesse gefasst werden. Ziel der Dissertation ist die Entwicklung eines hybriden, performativen und vernetzten Vermittlungsraums, an dem physische Exponate, materielle Environments, digitale Kommunikations- und Handlungsweisen sowie divergierende und vernetzte Akteur:innen teilhaben.
Web: https://www.anschliessenausschliessen.de/Mitglieder/julian-hoffmann

 

Gesine Hopstein (Erasmus-Gymnasium Grevenbroich)

Schreiben zur künstlerischen Praxis als Reflexions- und Kommunikationsinstrument im Kunstunterricht (Arbeitstitel)

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche kunstpädagogischen Funktionen das Schreiben im Kontext von künstlerischer Praxis haben kann. Ausgehend von den in Situationen der Leistungsbewertung im Kunstunterricht auftauchenden Werkkommentierungen, fächert die Forschungsarbeiten verschiedene Perspektiven auf das Phänomen des Schreibens als künstlerische reflexive und kommunikative Praxis auf. Dabei steht die kunstpädagogische Theoriebildung im Vordergrund als wichtiges Begründungsinstrument kunstpädagogischer Praxis. So wird methodologisch der Frage nachgegangen, wie kunstpädagogische Theorie zu gegenstandsbezogenen Theoriebildung herangezogen werden kann und wie genuin fachliche Argumentationsstrukturen in einem vielstimmigen Fachdiskurs gelingen können.

 

Sarah Huber (Stipendiatin der sdw)

Planetare Narrative im Anthropozän – (kunst-)pädagogische Revisionen einer un/verfügbaren Welt (Arbeitstitel)

Erschien die Welt dem westlich-modernen Subjekt lange Zeit als passiv-amorphe Verfügungsmasse, die qua Wissen(schaft) und Technologie zu beherrschen sei, so haben nicht allein Klimawandel, Ökozide und globale Epidemien dies als Hybris entlarvt. Mit Vehemenz zeigt sich heute, dass die Welt un/verfügbar ist. Das fordert zu neuen Verhältnissen heraus. Indem „der Mensch“, die Erde bearbeitend, sich ihre Ressourcen aneignet hat und damit eine wachsende, an die gegenwärtige Technosphäre gekoppelte Ökonomisierung ermöglichte, schuf er das Globale – eine Sphäre anthropozentrisch ausgerichteter Weltbezüge. Als geologischer Handlungsträger schrieb er sich in das Erdsystem ein und setzte durch sein globales Handeln gleichsam planetare Handlungskräfte frei, deren Wirkmächte sich jedoch seiner Kontrolle entziehen. Die Menschheit ist sich selbst aber auch vielen anderen Lebensformen zu einem existenziellen Risiko geworden. Insofern ist eine radikale Neuausrichtung der Beziehung von Welt und Mensch überfällig. Hier setzt die Dissertation an, indem sie aus kunstpädagogischer Sicht zu einem stärker planetarisch ausgerichteten Denken (und Handeln) anregt. Die Arbeit bedient sich dazu einer diffraktiven Methodologie, welche an der Schnittstelle von Globalem und Planetarem ansetzt, neue Perspektiven freilegt und zu planetaren Narrativen, zu einem schon in der Schule angelegten verantwortungsbewussteren Antworten auf die un/verfügbare Welt einlädt.

 

Kristin Klein (Universität zu Köln)

Navigating the Present, Prototyping the Future. Kunstpädagogik im Kontext digitaler Kulturen (Arbeitstitel)

Aus der gegenwärtig engen Verflechtung von Kunst und digitaler Technologie gehen tiefgreifende Veränderungen in der Produktion, Distribution und Rezeption von Kunst hervor. Zugleich konzipieren Künstler*innen aktiv neue Strategien im Umgang mit digitalem Wandel. Beide Aspekte sind für die Weiterentwicklung von Praxismodellen in der Kunstpädagogik interessant. Meine Dissertation im Rahmen des Forschungsprojekts Post-Internet Arts Education Research basiert auf der Annahme, dass Digitalisierungsprozesse und ihre Effekte durch die Beobachtung künstlerischer Diskurse rekonstruiert werden können. Sie verbindet diskursiv-theoretische und empirische Ansätze in I) einer breit angelegten Kartographie von Themen und theoretischen Clustern von Kunst im Kontext digitaler Kulturen und II) einer qualitativen Interviewstudie mit Künstler*innen, die entlang der Grounded Theory Methodologie untersucht, inwiefern traditionelle Konzepte der Kunsttheorie sowie -pädagogik sich vor dem Hintergrund digitaler Transformation verändern bzw. ausdifferenzieren. Ziel der Arbeit ist die Ableitung von Konsequenzen für die kunstpädagogische Praxis unter postdigitalen Bedingungen.
kristin-klein.net

 

Hendrik Krone (Universität zu Köln)

Räumliche Entgrenzungen in der Kunstpädagogik (Arbeitstitel)

Das Forschungsprojekt untersucht die räumliche Dimension der Kunstpädagogik und konzentriert sich auf die Relevanz außerschulischer und nicht-institutioneller Räume für die kunstpädagogische Praxis. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den nicht-institutionellen Räumen, den so genannten Off-Spaces. Es stellt sich die Frage, was diese Räume ausmacht, wo sie zu finden sind und wie zugänglich diese für Schüler:innen mit besonderen Bedürfnissen sowie Nicht-Akteur:innen sind. Im Rahmen der Forschung soll sich unter anderem an der Sozialraum-Theorie nach Martina Löw und dem Konzept der Kontaktzonen nach James Clifford orientiert werden.

 

Willy Noll (Universität zu Köln)

Kunstunterricht in der Grundschule als medialer Anfangsunterricht

Das Forschungsprojekt befasst sich mit den Schnittmengen zwischen Kunst, Medien und Pädagogik im Kontext Schule. Explizit werden die Möglichkeiten der fächerübergreifenden Implementierung von Medienbildung in die Primarstufe unter dem fachspezifischen Verständnis aktueller Medienkultur erforscht.

 

Yi Meng

Art communication in a Postdigital Age

The model of art communication is analyzed in the condition of the postdigital era. Based on the fact that the Internet has expanded the types of audiences, how postdigital condition affects the reception and the redistribution of the audiences are discussed.

 

Eva-Maria Schitter (Universität Mozarteum Salzburg, Erstbetreuung: Univ. Prof. Dr.in Iris Laner)

Ästhetische Erkenntnispotenziale in kollaborativen Auseinandersetzungen mit digitalen Bildarchiven der bildenden Kunst. Explorationen anhand des Fallbeispiels IMAGE+ (Arbeitstitel)

Der Typus Bild ebenso wie der Komplex Archiv haben mit der Digitalisierung und den gegenwärtigen postdigitalen Handlungs-, Macht- und Denkstrukturen im soziokulturellen und kulturpolitischen Kunstkontext ihr Postulat für ein absolutes, propositionales Wissensinventar längst hinter sich gelassen. Vielmehr sind sie heute als fluide und relationale Erkenntnisräume und -objekte nutzbar, die in jedem Verwendungszusammenhang neuen Aushandlungen bedürfen. Jenen Archiven sind kraft des veränderten und verändernden mediatisierten digitalen Feldes, in das sie eingewoben sind, neuartige Prinzipien inhärent, die Wege zum gemeinsamen Umwerfen, Verformen, Restrukturieren und Neukontextualisieren von tradiertem Wissen eröffnen. Den Potenzialen, die hier für die Kunstpädagogik zu vermuten sind, wird im Zuge ajourierender Fragen zu den epistemologischen Bedingungsgefügen kollaborativer ästhetischer Erfahrungen, zu den neuen und erweiterten Möglichkeiten der Partizipation innerhalb der Wissensarchitekturen digitaler Archive ebenso wie zu den dadurch bedingten transformativen und demokratisierenden Vermögen des Digitalen anhand des Fallbeispiels Image+ nachgegangen. In meiner Dissertation im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt Image+ strebe ich an, aktualisierende Annäherungsmodi dafür zu explorieren und aus einer kunstpädagogischen Perspektive für die ästhetische Bildung produktiv zu machen.

 

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