Nachdem ich in den Nutzungsstatistiken meines weblogs gesehen habe, dass mehrfach Menschen, die bei Google nach der Stichwortkombination „Sowa“, „Düsseldorf“, „Kongress“, „Kunstpädagogik“ (o.ä.) gesucht haben, hierher verwiesen wurden (eher zufällig, weil irgendwo in diesem blog die o.g. Worte auftauchen), will ich den Suchmaschinen mal semantisch relevanten Input liefern. Ganz offensichtlich gibt es ja ein Interesse. (Außerdem habe ich keine Lust zu warten bis mal wieder die vierteljährliche Fachzeitschrift herauskommt und dann dort und in den 2 oder 3 folgenden Ausgaben möglicherweise eine Diskussion in Zeitlupe sichtbar wird.)

hello-world

Am vergangenen Wochenende fand in Düsseldorf der Bundeskongress der Kunstpädagogik 2009 statt. Dort hat (u.a.) Hubert Sowa einen Vortrag gehalten, der allerlei Aufregung, Widerspruch, Grummlen und stille Bauchschmerzen provoziert hat. Kurz gesagt hat Sowa ausführlich die Polemik wiederholt, die er schon seit einiger Zeit immer mal wieder auf Papier (z.B. BDK-Mitteilungen 1/2008) und Vorträgen (z.B. im Rahmen der Hamburger Ringvorlesung Sommersemester 2008) fachöffentlich gemacht hat, nun aber auf dem Podium, in keynote-Funktion, und ohne irgendeine Gegenstimme (auf dem Podium) und verheerender Weise auch noch unter der mit einiger Tragweite formulierten Überschrift „Kunstpädagogik in einer sich ändernden Gesellschaft“.
In ein ähnlich konservatives Horn stießen übrigens auch Johannes Kirschenmann unter der ebenso tragweiten Überschrift „Die Position der Kunstpädagogik in einer sich wandelnden Schule und Kultur“ („zuviel [sic!!] Orientierung an aktueller Kunst“) und Clemens Höxter in seiner Eröffnungsansprache.

Tunnelblick, mangelnder Rückkanal und Stilfragen
Nun können alle drei (ebenso wie die anderen, aber weitaus harmloseren RednerInnen auf dem Kongress) selbstverständlich sagen, was sie wollen. Das ist nicht der Punkt. Auch ich äußere hier ja meine, also nur eine Meinung. Und sicher halten gar nicht alle die o.g. Vorträge für konservativ und rückwärtsgewandt bzw. diese Attribute nicht für beklagenswert. Problematisch ist aber – insbesondere vor dem Hintergrund der Tradition der Kunstpädagogischen Bundeskongresse der letzten Jahre –, wenn das Podium insgesamt mehr oder weniger in die gleiche Richtung argumentiert und polemisiert und zugleich kein Rückkanal vorgesehen ist. Es war nicht vorgesehen, dass die Plenumsvorträge diskutiert werden. Das mag für Keynotes ein sinnvolles Verfahren sein, aber vernünftige Keynotes geben sich eben üblicherweise deutlich distanzierter und erzeugen eher einen Über- statt hier Tunnelblick auf das Tagungsthema.

Man kann es kurz sagen: Es war genauso, wie viele im Vorfeld befürchtet hatten. Alle Kritik vom Krisengespräch in Hannover (Bering, Burkhardt, Busse, Höxter, Kirschenmann, Niehoff, Schulz, Seydel, Sowa, Uhlig und ich) und davor hat (fast, weil mit Karl Ermert und Wilfried Bos immerhin zwei fachlich (halb-)Auswärtige eingeladen waren) nichts genützt. Es wurden trotzdem jene rückwärtsgewandten Positionen vorgetragen ohne Diskussionsmöglichkeit oder Podium für andere Meinungen (vorletzteres wurde dann zwar doch noch kurz relativ spontan am Abend als „Programmänderung“ eingefügt, aber auch hier zeugten die Reaktionen der Veranstalter auf die Kritik davon, dass man es 1. nicht ernst nimmt und 2. auch eigentlich nicht haben will. Statt dessen habe man gefälligst dankbar zu sein oder könne selber einen Kongress organisieren!)

Gut, die einzelnen Sektionen waren vielfältiger als das Podium, aber dort fand die Demokratie quasi im Geheimen, in Kleingruppen zu 10 bis 20 Personen hinter geschlossenen Türen statt. (Und ehrlich, die Filterkriterien für die Vorauswahl sind ja am Programm auch leicht ablesbar).
Trotz der relativen Vielfalt der Sektionen also: Getragen war die Kongressstimmung von den rückwärtsgewandten kunstpädagogischen Vorträgen. Von der Tradition, dass bei den Kunstpädagogischen Bundes[!!]-Kongressen in München 2003, Leipzig 2005 und Dortmund 2007 (nahezu) alle zusammenkommen, auch die, die abweichende Meinungen haben, dabei sind und Gelegenheit zur Äußerung finden, war definitiv nichts mehr zu spüren. Stattdessen herrschte ein meines Erachtens vollkommen undemokratischer Umgang miteinander und mit den relativ vielen, die, weil sie schon ahnten, was geschehen würde, gar nicht erst da waren oder früher abreisten.

Um es noch einmal klar zu stellen: Es geht mir hier nicht darum, dass da in Düsseldorf eine bestimmte Position vertreten wurde, die mir nicht gefällt. Das bin ich gewohnt. Es geht mir darum, dass nur diese Position auf dem kunstpädagogischen Podium vertreten wurde, das behauptet, einen Bundes-Kongress zu repräsentieren. Das ist wesentlich eine Stilfrage.

Unkonferenzen und Hallo Welt!?!
Da ist man außerhalb dieser offenbaren Parallelwelten inzwischen ganz anderes gewohnt. Auf vergleichbaren Kongressen gibt es neben der zentralen Präsentationsfläche Twitter-Walls, auf denen Kommentare aus dem Publikum (vor Ort im Kongresssaal oder online zugeschaltet von irgendwo auf der Welt) zu lesen sind und so in Echtzeit, noch während des Vortrags in und mit der weltweit vernetzten Community diskutiert werden kann (in der Kunstakademie Düsseldorf gibt es allerdings nicht einmal wlan). Oder der wissenschaftliche Nachwuchs macht sich gleich selbständig und unabhängig von überkommenen Tagungsritualen seiner Vorgängergeneration und trifft sich (aus Perspektive der medienkulturtechnisch nicht mithaltenden „heimlich“) zu Barcamps und Unkonferenzen, um sich nicht mit der „Altgier“ und den unangebrachten Machtspielchen der Expertokratie aufzuhalten.

In solchen Settings wird sehr, sehr deutlich, dass – um es mit Dirk Baecker zu sagen – „jede Realitätsebene, auf die man sich einlässt, nur eine Perspektive unter anderen Perspektiven erschließt und daher die Existenz der anderen Perspektiven so mit ins Kalkül nehmen muss, wie man das von jeder »Praxis« erwartet.“ (Studien zur nächsten Gesellschaft, S. 143)
„Hallo Welt!?!“ möchte man da mal lauthals rufen. Liebe Kunstpädagogik, mach mal die Augen auf! Wir sind mitten im 21. Jahrhundert. Die Zeit für ernst gemeinte Theaterdiskurse ist abgelaufen. Das funktioniert nicht mehr. Wir bewegen uns im Horizont und Kontext einer digital vernetzten Weltgesellschaft. Wir müssen uns orientieren an den Prinzipien des ins real life gestülpten Cyberspace: der Verbindung aller mit allen, der Schaffung virtueller Gemeinschaften, der kollektiven Intelligenz und der Medialisiserung radikaler Basisdemokratie.

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Als Hausaufgabe dazu noch einmal Vilem Flussers Kommunikologie (2000, S. 21ff): Der Theaterdiskurs empfiehlt sich, wenn es darum geht, gesichertes Wissen im Modus one-to-many zu verteilen und damit (z.B. in der nächsten Generation) zu bewahren. Kreis- und Netzdialoge hingegen sind vor allem geeignet, neues Wissen zu produzieren und zu synthetisieren. Der Netzdialog ist die archaischste Form der Kommunikation: Klatsch, Tratsch, Flurfunk, Schulhof, Gerüchteküche und Internet sind typische Beispiele. Wenn man also Wissen konservieren (und die Bildung von Neuem verhindern) will, wählt man am besten den Theaterdiskurs.

Zur Abwechslung mal nach vorne?
Erschreckend finde ich v.a. den Eindruck, dass man auf dem Düsseldorfer Podium insbesondere von der neuen Generation nichts wissen wollte. Die Polemik richtete sich zwar nicht ausschließlich, aber überwiegend gegen Positionen und Ideen, die die jüngere Generation – oft unter Bezug auf Kunst jüngerer Generation – in die Fachdiskussion gebracht hat. Und ganz kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass da so ein Old-Boys-Club am Werk ist, der noch irgendetwas aus Vergangenheiten auszutragen hat, mit denen ich (und erst recht die Jüngeren) nichts mehr zu tun habe.

Es waren auch einige Studierende der Kunstpädagogik da. Das spricht – so denke ich – sehr für deren Interesse am Fach. Viele, die erstmalig an so einem Kongress teilnahmen, waren regelrecht entsetzt. Da muss man wirklich Angst haben, dass der Nachwuchs abspringt …

Der nächste Kongress sollte vielleicht mal von einer anderen, jüngeren Generation von Kunstpädagogen aus Schule und Hochschule veranstaltet und inhaltlich bestimmt werden – in der Hoffnung, dass sich diese auch bei unterschiedlichen Auffassungen in der Sache im Umgang miteinander zu benehmen weiß (und auch ein wenig mehr strategisches Geschick hat, was Außenwirkungen angeht). So kann es jedenfalls nicht weitergehen.

PS: Liebe KunstpädagogInnen, die meisten von Euch und Ihnen sind das, meiner Erfahrung nach, noch nicht gewöhnt, aber hier ist es nicht nur möglich, sondern sogar ausdrücklich erwünscht, dass Sie Kommentare, andere Meinungen, Diskussionsbedarfe äußern. Feel free to comment!!!

50 thoughts on “Bundeskongress Kunstpädagogik 2009 – Hallo Welt!?!

  1. [Ich habe Torsten Meyer gebeten, meinen Kommentar vom 29.10. wieder herauszunehmen. Ich finde, dass polemisch-ironische Kommentare eine geringere Halbwertzeit haben sollten als andere und dass sie an die Ereignisse gebunden sind, auf die sie sich beziehen. Da der Düsseldorfer Kongress jedoch mittlerweile vorüber ist, fand ich meinen spontanen Kommentar nicht mehr so angemessen, dass er hier für längere Zeit seinen Platz haben sollte. Wichtig finde ich, dass wir gemeinsam eine gute Kultur der Zusammenarbeit im Fach entwickeln sollten und da scheint ja dank Düsseldorf Einiges in Bewegung geraten zu sein!]

  2. „Fachkultur“ bedeutet m. E., beide Wortteile ernst zu nehmen.
    Also: Wissenschaftlichkeit und produktives Streiten um die Sache, dazu ein professioneller Umgang mit Kritik. Außerhalb des unmittelbar vorausgegangenen Forschungstages offenbarte sich in Düsseldorf diesbezüglich ein fundamental anderes Verständnis.

    Kunstpädagogische Generationenfrage?
    Aus den Zwischengesprächen beim Kongress schließe ich, dass in meiner Generation und bei den Jüngeren Grabenkämpfe tendenziell kein bevorzugter Ansatz sind.
    Abgesehen davon finde ich, dass auch inhaltlich der Gegensatz zwischen den fachdidaktischen Konzepten „Bildkompetenz“ und „Kunstorientierung“ überbewertet wird. Gleichwohl unterscheiden sich die Positionen. Hier genauer hinzusehen: auch das könnte die Aufgabe eines solchen Kongresses sein. Dazu müssten dann aber inhaltliche Argumente statt Denunzierungen formuliert werden.
    Nicht jedes der zahlreichen Fachkonzepte würde bei offener Erörterung gleich gut abschneiden. „Plurales Fachverständnis“ und „Anything goes“ müssen nicht dasselbe sein.

    Dann ist da noch die Sache mit dem Fachverband, „meinem“ Verband: dem BDK.
    Er war zusammen mit der Kunstakademie Düsseldorf Veranstalter des „Bundes“kongresses. Aus einer Reihe von Gesprächen weiß ich, dass die Veranstaltung für junge KunstpädagogInnen richtig abschreckend war. „Wo bin ich denn hier hingeraten?“ war noch einer der zurückhaltenderen Kommentare. Eine Werbung für den BDK war das alles jedenfalls nicht. Ausnahme auch hier: der Forschungstag.

    Eine Art Futur II
    Die wesentliche Funktion des Düsseldorfer Kongresses könnte sich schon bald darin zeigen, für einen neuen Anfang mobilisiert zu haben.

  3. Ein Selbstgänger würde das mit der jüngeren Generation wohl nicht werden. Als Neuling im Bereich der Kunstpädagogik, aber nach zwei Semestern Mediologie, hielt ich diese Woche ein kurzes Impulsreferat zum Thema „Kindheit im 21. Jahrhundert“, welches ich auf die Mediologie ausrichtete (http://evolusin.wordpress.com/2009/10/26/impuls-kindheit-im-21-jahrhundert-mediologie-kunstpadagogik/„).
    In der späteren Diskussion (bei einem geschätzten Altersdurchschnitt von Mitte 20) war es dann schon fast eine Art Missionierungserfolg, wenn der Computer als Recherchewerkzeug in Erwägung gezogen wurde. Weit verbreiteter war eher die Position, dass der Kunstunterricht ein Ausgleich, ja einen Gegenpol gegen die Computerisierung der Kinder sein solle. Gegenwarts oder Zukunftsbezogene Überlegungen, wie sich die technischen Möglichkeiten des heute, hier und jetzt in den Kunstunterricht einbringen lassen waren hingegen stark unter repräsentiert (und wenn ich ehrlich bin auch nur in meiner Kleingruppe vorhanden).

  4. Herzlichen Dank für die schnellen Kommentare!! Die „kunstpädagogischen Kisten“ gefallen mir 🙂 So könnte es gehen – beim nächsten Mal.
    Und der Futur2 ist tröstlich. Und vielleicht zugleich sehr realistisch?!

    @EvoluSiN ja, das ist ein Problem, dass die neusten Kommunikationstechnologien manchmal als so etwas wie das Gegenteil von Kunstpädagogik gedacht werden. Vor allem im Hinblick auf die Zukünfte der betroffenen Kinder und Jugendlichen. Das wird aber anders. Ich beobachte es schon länger. Der Grad an Selbstverständlichkeit im Umgang mit und dem Bewusstsein für weltweit vernetzte Signifikation steigt offensichtlich.

  5. Studentin, 23:

    Nur langsam trau ich mich meinen „Kunstpädagogischen-Meinungsklumpen“ im Kopf zu formen.
    In diesem Netz aus verschiedenen Positionen ist es als relativer „Neuling“ wie mich nicht gerade einfach seinen eigenen roten Faden dort drin zu verweben und eine eigene Position zu beziehen. Besonders nach diesem Kongress hatte ich das Gefühl etwas ins kalte Wasser geworfen worden zu sein. Aber vielleicht lag es auch an mir? Vielleicht hatte ich zu hohe Erwartungen? Die gewünschte Erleuchtung oder Anleitung zur Entwirrung meines „Meinungsklumpens“ blieb jedenfalls aus.

    Eine positive Seite an einer noch relativ offenen Meinung ist jedoch, dass man sich so zum Glück noch in keine Extreme verfahren kann.

    Die Sektionen waren mein persönliches Highlight. Sowohl Themen, Unterrichtseinheiten und -vorschläge als auch Positionen wurden vorgestellt und plötzlich auch die vorangegangenen Vorträge mit einbezogen und laut diskutiert. (Weil es anschließend keine Plenumsdiskussion in der Aula gab oder weil die Sicherheit des -bei etwa 15 Personen- fast Anonymen gegeben war? Diskussionsbedarf gab es zweifelsohne.)

    Eine andere Position verfestigte sich am Rande bei mir allerdings in diesen drei Tagen im Zeitraffer:
    Als ich am ersten Tag im Hosenanzug erschien, da ich mit dem Wort „Bundeskongress“ solche Kleidung verbinde, ohne je auf einem (welcher Art auch immer) gewesen zu sein, fühlte ich mich -besonders in der Rolle Studentin- schlicht und einfach overdressend, sodass ich am Samstag ebenfalls, wie viele, in Pullover und Jeans erschien. Doch am Sonntagmorgen entschied ich mich -selbstbewusster als zuvor- wieder für den Hosenanzug. Für mich alleine und als stillen Impuls.

    Ich fand, es hatte etwas von einer kleinen Rebellion und/oder einem Neuanfang(für mich)…

    Ich würde mir mehr Anzüge auf solch einem Kongress wünschen. Es verleiht die notwendige Ernsthaftigkeit, wenn auch nicht gleich inhaltlich.

    Zum Glück weiß ich mich an meiner Universität – wie ich bereits finde – in guten Händen und bin der Hoffnung, dass sich meine kunstpädagogische Meinung mit den Jahren zeitgemäß formen und laufend bis zu meiner Pensionierung verändern wird.

    Meine drei Sektionen waren wirklich toll und ich werde (trotz allem und/oder gerade deshalb) in zwei Jahren auf jeden Fall wieder teilnehmen, wo auch immer er stattfinden wird.

  6. Ich war (leider?) nicht anwesend, habe aber einiges von Teilnehmenden gehört und lese gerade die Kommentare- mit Vergnügen. Ich muss jetzt einfach mal was Launisches hinzufügen.

    Es gibt so einige kunstpädagogische Ansätze. Viele sind ein Aufguss mit neuer Überschrift. Müssen sie auch sein, sonst wären die kunstpädagogischen Forscher ja arbeitslos.

    Mein Tipp an die nach Orientierung suchenden Kollegen:

    „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, sprich in der Klasse. Geht rein, schaut an, wer da vor Euch sitzt und macht. Probiert aus, auch das, wozu Ihr Lust habt. Ob zeitgemäß oder nicht, wenn das Konzept gut ist, stellt sich auch der Erfolg ein. Wenn nicht, scheitert Ihr. Aber auch das ist nicht schlimm, denn es gibt bis zum Ende immer die Möglichkeit eines Neuanfangs, einer Neuorientierung. Und in der späten Sicht auf die Dinge relativiert sich so manches. Aber das wissen die „alten Hasen“ ja bereits.

    Ich jedenfalls arbeite immer noch nach den
    „3 Säulen des Kunstunterrichts“:

    Experimentierfreude
    Materialsensibilität
    Konzeptfähigkeit

    Dazu:
    Fragen stellen – immer wieder.

    Klappt bestens!

  7. @EvoluSiN Nein, ein „Selbstgänger“ mit der jungen Generation ist nicht zu erwarten. Aber eben auch nicht mit der alten, wie uns im Plenum überdeutlich vor Augen geführt wurde.

    Alter, Herkunft, Geschlecht, Lautstärke sind ja ohnehin eher Meßergebnisse als Qualifikationen. Anders verhält es sich mit inhaltlicher Substanz und Diskussionsfähigkeit. Da allerdings schnitt in Düsseldorf (immer bezogen auf die Plenumssitzungen) der Nachwuchs auf dem Forschungstag erheblich besser ab.

    Im Übrigen wäre auch der Ansatz „Kunstpädagogisches Generationengespräch“ mal von unten zu denken.

  8. Lieber Torsten, liebe Kunstpädagogen und -innen,

    ohne die kunstpädagogischen Debatten im Einzelnen zu kennen eine kurze Bemerkung aus der Perspektive eines erstaunten Beobachters: Der bereits erwähnte Dirk Baecker skizziert in einem kurzen Beitrag („Zurück zu den Sachen“, erscheinen in: ders.: Postheroisches Management. Ein Vademecum, Berlin 1994, S. 16 – 19, hier: 18f.) seine Idee des postheroischen Managements, „[…] das sein Heldentum nicht mehr in der Verfügung über Kapitalvermögen und einer Inszenierung entsprechender Risikobereitschaften und Verantwortungen sucht, sondern einen neuartigen Spürsinn für die sachlichen und sozialen Dimensionen der Organisation von Arbeit und der Verteilung von Verantwortlichkeit entwickelt, die damit einher geht. Das geht nur unheroisch, weil große Gesten nicht geeignet sind, andere zur Mitarbeit anzuregen.“

    Eine Übertragung auf die Kunstpädagogik (oder Wissenschaft im Allgemeinen) liegt nahe, denn Baecker zieht Wirtschaft nur als beispielhafte Anwendung heran: Grundsätzlich haben wir es mit Fragen nach der Organisation (also einem Spezialfall sozialer Systeme) zu tun. Kapitalvermögen lassen sich auch im Sinne Bourdieus lesen und an Inszenierungen zu denken, liegt bei der Rede vom Theaterdiskurs nahe. Die (system-)theoretischen Implikationen auszubreiten erscheint mir unnötig, der zentrale Punkt ist wohl folgender:

    Gerade weil die klassischen Konferenzen mit ihren Heroen nicht mehr zeitgemäß erscheinen, sich gleichzeitig aber durch beeindruckende Resistenz gegen Irritationen auszeichnen, treten alternative Organisationsformen (eben sogenannte Unkonferenzen oder BarCamps) auf den Plan, die ohne die üblichen Teilnahmebedingungen (Einladungen, Mitgliedschaft in der entsprechenden Fachgesellschaft, Teilnahmegebühren etc.). In der Form der Organisation (genauer: auf Programmebene) wird auch dem Umstand Rechnung getragen, dass auf „undemokratische“ kommunikative Einbahnstraßen (wie eben Vorträge ohne Partizipationsoption) weitgehend verzichtet wird – als Konsequenz der Tatsache, dass sie eben nicht „geeignet sind, andere zur Mitarbeit anzuregen.“ In diesem Sinne ist man fast versucht zu raten: „Bildet ein, zwei, viele Bundeskongresse!“ Oder weniger sloganhaft: Strukturen bleiben nur unverändert, wenn aktiv dafür gesorgt wird, dass sich nichts ändert. Wenn sich die Form nicht ändert, müssen neue gefunden werden. Für die Kunstpädagogik als solche heisst das wohl mit Fritz B. Simon: „Der Status quo bedarf immer der Erklärung!“

    Post Scriptum: Kommentare wie „ja ja…“ sind übrigens auch sehr spannend zu beobachten, weil sie den wichtigsten Aspekt des kommunikativen Dreischritts, das Verstehen, offener lassen als dies ohnehin schon der Fall ist. Der Informationswert bleibt dunkel. Deutet man die Äußerung als Bestätigung des Vorangegangenen? Als ironische Variante des Widerspruchs? Als Versuch, die Kommunikation von der inhaltlichen Auseinandersetzung auf Personen umzustellen und somit weiter an der Skandalschraube zu drehen?

  9. Nach den recht deprimierenden Erlebnissen des letzten Wochenendes ist ein kooperativer Dialog überfällig. Hier mein Kommentar zur Lage:
    Aus meiner Perspektive lag die Crux in der Konzeption des „Bundeskongresses“, der in seiner Gestalt tatsächlich nur einen Ausschnitt des heutigen Fachdiskurses thematisierte. Natürlich ist es löblich wenn jemand sich die Mühe macht ein derartiges Szenario zu organisieren; doch darum geht es nicht! Auch möchte ich Hubert Sowas‘ Haltung (die gar nicht neu ist; aber erstmals an exponierter Stelle holzschnittartig, provokativ und durchaus verletzend vorgetragen wurde) nicht grundsätzlich diskreditieren (Über vieles kann man bei Licht betrachtet sicher trefflich streiten). Was aber fehlte war ein angemessener Raum für Gegenrede (das ad-hoc Plenum nach der „feierlichen Preisverleihung“ war dafür gänzlich ungeeignet) und Diskussion. Im Sinne der habermasschen Theorie des legitimen Diskurses (herrschaftsfrei, valide, transparent und pluralistisch) diente das Kongressszenario in keiner Weise der „Wahrheitsfindung“ bzw. Orientierung. Vielmehr entstand der Eindruck einer elegischen Setzung, einer brachialromantisch vorgetragenen Sehnsucht nach Ganzheit und Natürlichkeit. Auch wenn dies einem gewissen Zeitgeist entgegenkommt (z.B. Kunst und Schönheit, Erziehung und Führung…), so entspricht dies nicht der kunstpädagogischen Fachkultur. Denn diese ist breit und pluralistisch aufgestellt. Insofern hätte man sich vieles, aber nicht diese Darbietung gewünscht. Leider fand sich dies in den Sektionen (oder Sezessionen) und nicht an exponierter Stelle wieder. Denn dort habe ich viel Erfrischendes und Inspirierendes vernommen (Z.B die Beiträge von Birgit Richard und Jutta Zaremba). Schade!
    Doch genug des Lamentos; wie kann/soll es nun weitergehen. Ein transparenter und offener Austausch jenseits von rückwärtsgewandter Grabenkämpfe (die wie Torsten richtig vermerkt nicht das Geschäft der „jungen“ Generation ist) ist zu fördern. Insofern ist diese dialogische Plattform im Netz zu begrüßen und könnte die Basis für weitere Treffen und Symposien sein. Ein kommender „Bundeskongress“ (wenn er denn kommt) müsste aber vielfältig gegründet werden; das fängt schon damit an, dass man jedem/r aktiven Kunstpädagogen/in die Möglichkeit der Partizipation eröffnet. Ebenso wünsche ich mir weniger Nabelschau, als ein Interesse an vielfältigen Themen und Herausforderungen des Gegenwärtigen. Und dazu sollte man den transversalen und interdisziplinären Geist vergangener Treffen reaktivieren.

  10. Vielen Dank für all die Kommentare zur Sache!! Es freut mich sehr, dass die Chance zum Austausch so produktiv wahrgenommen wird. Übrigens, liebe KommentatorInnen, Ihr und Sie schreiben für ein recht zahlreiches und offenbar stark interessiertes Publikum. Gegenüber dem Durchschnitt sind die Zugriffszahlen hier seit gestern um ca. 600% gestiegen. Die Fachcommunity liest mit.

    Neue Formen?
    Welche konkreten Ideen für zukünftige Veranstaltungsformen gibt es? Die „Kunstpädagogischen Kisten“ von Manfred Blohm sind schon mal ein guter Vorschlag! Von „Barcamp“ und „Unkonferenz“ war auch die Rede. Wären das brauchbare Formen für unseren Fachdiskurs? Wie können die Möglichkeiten zur Partizipation verbessert werden? Was wäre außerdem zu bedenken? Bitte gute Ideen hier bekannt machen!!

  11. Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    für die nächsten BDK-Mitteilungen können Sie mir in Absprache mit Georg Peez von der Redaktion kurze Statements zum Kongress schicken. Bis zu 6.000 Zeichen incl Leerzeichen. Zusätzliche Langversionen können auf die BDK-Website gestellt werden. Ich sammele die Statements und leite sie im Konvolut an die Redaktion weiter. Ich freue mich auf eine rege Beteiligung!

  12. @ Marc Fritzsche:
    Natürlich sollte Jugend nicht in einer Art Altersehrfurcht erstarren und im schlimmsten Fall historischer werden als ihre Vorgänger. Auch bin ich immer für Dialog zu begeistern. Ich finde es mitunter nur ernüchternd mich mit Menschen zu unterhalten, die zehn Jahre jünger sind als ich und Positionen vertreten, die bereits deren Großeltern hatten.
    Aus diesem Grund denke ich, dass es Notwendig ist der Jugend die blinden Flecken ihrer Gegenwart aufzuzeigen. Wenn ich zuerst „die Älteren“ für aktuelle Sichtweisen sensibilisiere (und erfolgreich bin) würde das Grass Roots Konzept in den Boden wachsen.

  13. BDK-Biennale 2009

    Seit über 100 Jahren – http://www.bilderlernen.at/hist/kunsterziehung1901.html – legen die je aktuellen Großdidaktiker unserer Zunft ab und zu – in neuerer Zeit etwa alle zwei Jahre – auf öffentlichen Veranstaltungen Zeugnis zum Stand der Fachdiskussion ab.
    Das ist schön.

    Dass dabei subjektive Positionen mit erhöhtem Wallungswert zur Sprache kommen, ist besonders schön, scheint dieser Umstand doch ausgesprochen geeignet, Fachgespräche neu zu beleben bzw. anzuregen. Und schon schließt sich tatsächlich eine kleine Diskussion an.

    Nun beklagen heuer einige Kommentatoren die etwas einseitige Podiumsmeinung bzw. die Vervielfältigung der gleichen Argumente, verbunden mit einer eher verhaltenen Debattierlust. Das ist schade, wäre aber im Nachgang zu reparieren. Allerdings scheinen mir die Voraussetzung hierfür verbesserungswürdig.

    Die zur Rede stehenden Vorträge sind – soweit mir bekannt – nicht überliefert. Die Diskussion findet mithin ausschließlich unter den Teilnehmern der Veranstaltung statt – eine merkwürdige Diskriminierung für den „Bundeskongress“ eines Fachverbands. Ich war nicht in Düsseldorf und fühle mich etwas ausgeschlossen.

    Die nachträglichen Äußerungen, derer, die anwesend waren, können sich naturgemäß nur auf ihre Erinnerungen beziehen, da der Wortlaut, wie gesagt, nicht nachlesbar oder hörbar ist. Für meinen Geschmack etwas viel Hören-Sagen.

    Es liegt auf der Hand, dass derart selektive Kommunikationsstrukturen potentiell Interessierte ausgrenzen, sei’s aus bloßer Unachtsamkeit oder, was wir nicht hoffen wollen, aus Kalkül. Das scheint mir bedauerlich, angesichts unseres ohnehin eher überschaubaren Häufleins.

    Deshalb die Bitte an die Referenten, das Podium, die Kongressorganisatoren: machen Sie die Vorträge öffentlich, leisten Sie Ihren Beitrag zur sachlichen Grundlage einer soliden Diskussion.

  14. Wunderbar – es tut sich was! Von daher vor allem herzlichen Dank an Torsten und Sara!!!
    Zum Kongress: Selbstzufriedenheit eines old-boys-network, die ich zuvor teilweise ganz anders kennengelernt hatte. Als angesichts des Marathons von 3 Keynote-Vorträgen (leider alle abgelesen und von schlechter Akustik begleitet) von einem „Klassentreffen“ gesprochen wurde, ahnte man es schon – von euch bereits ausführlich und passend kommentiert.
    Ansonsten hätte ich gerne parallele Sektionen besucht, von denen ich viel Gutes gehört habe (insbesondere von deiner, Torsten, und danke Andreas für dein nettes Feedback).
    Famoserweise war das überflüssige Patronizing zu was gut: zur Sammlung zukünftiger Alternativen. Meine Ideen hab ich mal nach dem Umfang ihres Aufwands aufgelistet:

    Tag der/des …
    mit eigen-gewähltem Fokus. Nicht durch Organisationen wie BDK, sondern eigen-initiativ ausgerichtet. (Ich könnte mir z.B. vorstellen, 2010 einen „Day of FanArt“ in einem passenden Kontext einzuläuten)

    Art Education Slam
    Hatten wir schon mal in Frankfurt anlässlich einer Buchpublikation durchgeführt, war sehr locker und hatte gute Resonanz: Wie ein Poetry-Slam: Keine Moderation, sondern jede „slamende“ Person hat 10 Minuten und eine Projektionsleinwand, um vor dem (stehenden und nicht sitzenden) Publikum eigene aktuelle Publikationen, Aktionen, Thesen etc. vorzustellen. Vortragsform frei (intellektuell, assoziativ, performativ…). Optional: Anschließend party… 😉

    Jour Fixe Simultan
    In festgelegtem Rhythmus (z. B. alle 2 Monate) treffen sich am jeweils immer gleichen Ort zur selben Zeit in verschiedenen Städten KunstpädagogInnen zum aktuellen Austausch – Themen, Prozesse und Ergebnisse werden (am besten zeitgleich) online ausgetauscht.

    Plattform AG
    Erprobt durch die AG-Games (www.ag-games.de): „Durch Vernetzung den Wissenschafts- und Praxis-Diskurs bündeln, systematisieren und voranbringen“
    Mehrmaliges jährliches Treffen in alternierenden Städten, vorab durch die Anwesenden ein gemeinsames Thema vereinbaren, zu dem (freiwillig) kurze Inputs durch die anwesenden AG-Mitglieder vorgestellt und diskutiert werden. Gegebenenfalls Möglichkeit gemeinsamer Publikation, Projektierung etc. Sowohl die Inputs als auch die AG-Termine werden für alle Interessierten auf einer Website veröffentlicht, auf der sich auch alle Mitglieder stichwortartig vorstellen (können dürfen sollen). Keine Mitgliedsbeiträge o.ä.

    To be continued…

  15. Ich hatte der Redaktion der BDK-Mitteilungen, Georg Peez und Klaus Peter Busse, vorgeschlagen, die versammelten Kommentare zu diesem Beitrag in den nächsten BDK-Mitteilungen abzudrucken (nach Rückfrage an die KommentarautorInnen selbstverständlich). Aus für mich gut nachvollziehbaren Gründen hat sich die Redaktion  allerdings dagegen entschieden. Georg Peez und Klaus-Peter Busse erläutern, wie die Redaktion der BDK-Mitteilungen mit Meinungsäußerungen zum Kongress weiter verfahren will:

    • Kerstin Asmussen und Jörg Grütjen schreiben dankenswerterweise einen Tagungsbericht.
    • Dieser Text soll alle informieren, die nicht in Düsseldorf dabei waren. Wir gehen davon aus, dass es eine Buchveröffentlichung mit den originalen Kongressbeiträgen geben wird.
    • Im Anschluss an diesen Tagungsbericht von Kerstin Asmussen und Jörg Grütjen stehen dann die Meinungsäußerungen zum Kongress. Diese Kurzbeiträge können an Sara Burkhardt, aber selbstverständlich auch direkt an uns, die Redaktion, geschickt werden (klaus.peter.busse@t-online.de, mail@georgpeez.de). Das gesamte Material wird von der Redaktion dann aufbereitet, d.h. in eine Reihenfolge gestellt, mit Abbildungen versehen usw.
    • Die Länge eines solchen Beitrags sollte max. ca. 5000 – 6000 Zeichen incl. Leerzeichen umfassen.
    • Die Kommentare zum Blog-Beitrag „Bundeskongress Kunstpädagogik 2009 – Hallo Welt!?!“ von Torsten Meyer sollen nicht Kurz-Beiträge in den BDK-Mitteilungen werden. Diese Texte sind ja bereits veröffentlicht und für jeden zu lesen, sie haben auch eine spezifische Form. Kolleginnen und Kollegen, die im Blog kommentierten, können selbstverständlich auch nochmals für die BDK-Mitteilungen etwas verfassen.
    • Redaktionsschluss für Heft 1 2010 ist der 01. Dez. 2009. Was später kommt, kann dann in Heft 2 2010 veröffentlicht werden.

    Wir sind nicht sicher, ob und wie diese Diskussion so zeitversetzt im alten Medium BDK-Mitteilungen klappt, aber wir bieten es an. Dass Diskussionsbedarf besteht, ist offensichtlich, und der BDK sollte ein Forum hierfür sein.

  16. Nur die Verpflichtung zur Aufklärung (Befreiung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit) bewegt mich zu folgendem Kommentar:
    Mein „Ja, ja…“ bezog sich direkt auf einen noch am 30.Oktober lesbaren „Blog“-Beitrag eines Kollegen, der die von mir erziehungswissenschaftlich begründete Forderung nach einem strukturierten spiralcurricularen Bildungsplan für das Fach Kunst mit dem erhellenden Hinweis auf das gleichnamitge spiralförmige Instrument weiblicher Empfängnisverhütung assoziierte und empfahl, eine solche Spirale auf das entsprechende männliche Gegenstück zu schrauben als Symbol schmerzhafter pädagogischer Unfruchtbarkeit (oder so ähnlich). Dies nur zur Kontextualisierung und zur hermeneutischen Redlichkeit. Der meinem „ja, ja…“ vorangestellte Blogbeitrag wurde dann Gottseidank aus höherer Einsicht oder Scham entfernt. So hängt mein „ja, ja…“ in der windigen Luft des Blogbetriebs – ein weiterer Beweis, dass solch ein Blog nicht zu den seriösen wissenschaftlichen Kommunikationsformen gehört, sondern dass „Blogging“ hier wie an anderer Stelle eher dem „Mobbing“ ähnelt: Dem Geschwätz über Gerüchte.
    Die wissenschaftliche Fachdiskussion wird an ganz anderer Stelle geführt – sicher nicht immer auf Kongressen, aber doch in den einschlägigen und durch seriöse Herausgeberschaft verantworteten Pubklikationsorganen der Kunstpädagogik. Wer sich dafür interessiert, wie eine spiralcurriculare Orientierung in der Kunstpädagogik wirklich in der Praxis aussieht, wie sie Pluralität und Folgerichtigkeit verknüpft, der kann sich kundig machen im „KUNST Arbeitsbuch, Band 1 und Band 3“ (nebst Lehrerbänden), erschienen bei Klett. Ich selbst werde mich aber an der unseriösen Kommunikationsform eines „Blogs“ des Weiteren nicht mehr beteiligen. Mein Vortragstext wird im Tagungsband veröffentlicht und ich empfehle ihn zur kritischen Lektüre.

  17. Ja, ja … bei abwesenden Texten ist das so wie bei abwesenden Bildern: In der Erinnerung verbinden sie sich mit den eigenen biografischen Erfahrungen, Phantasien und Ängsten und formen sich zu neuen Bildern/Texten im Kopf desjenigen, der sich an sie erinnert. So wahr! So far …

    Ich glaube Blogs sind nicht mein Ding, da stimme ich mit dem Kollegen überein.

    Aber: Es entstehen interessante Gedanken und die Vorschläge/Ideen für Tagungsformen von Jutta Zaremba finde ich ziemlich anregend und bedenkenswert!

  18. Ich bin dafür, der Redaktion der BDK-Mitteilungen die Schlagwortwolke als Titelbild vorzuschlagen!

    Neben den Bezügen zu Inhalt und Medium der aktuellen Diskussion verweist diese Art der Darstellung auch auf das Verhältnis Wort-Bild.

  19. Spiel auf Zeit?

    Beim momentanen Stand der Argumente scheint es mir angebracht, mal wieder einen Kollegen aus der Gegend zu zitieren: Gustav Kolb schrieb 1907 in „Kunst und Jugend, Illustrierte Zeitschrift des Verbands Süddeutscher Zeichenlehrervereine“ als Credo seiner Schriftleitertätigkeit: „Jedes freie Wort …, jede aufrichtige und sachliche Meinung soll gehört werden.“ Dieser Glauben des frühen Kolb täte uns heute noch gut.
    Neugierige Toleranz, Offenheit und Solidarität stünden uns jedenfalls gut an und brächten uns weiter- Giftsprühen nicht.
    Warum gegenwärtige Medien, mit ihrer Art von Öffentlichkeit, ungeeignet sein sollen, gegenwärtige Diskurse zu entwickeln, erschließt sich mir nicht. Offenbar traut man dem gedruckten Text immer noch eher über den Weg. Ob man allerdings für diesen mutmaßlichen Vertrauensvorschuss die Verzögerungen und die damit absehbar verbundenen „Sandverläufe“ in Kauf nehmen sollte, bezweifle ich. „Dran bleiben!“ rief 1996 Günter Gerhard Lange eindringlich, und – via Video im Internet – heute noch: http://www.typovideo.de/index.php?node_id=9&lang_id=1&scope=front&ds_target_id=772

  20. Da kann ich Frieder Kerler natürlich nur zustimmen: „ Warum gegenwärtige Medien, mit ihrer Art von Öffentlichkeit, ungeeignet sein sollen, gegenwärtige Diskurse zu entwickeln, erschließt sich mir nicht.“ Was jetzt so aussieht, als würde Hubert Sowa sich die Sache etwas leicht machen, wird ihm wohl mittelfristig die Sache eher schwerer machen. Darüber haben sich genügend andere, die sich wirklich mit „… einer sich ändernden Gesellschaft“ (oder mit einer sich wirklich ändernden Gesellschaft) beschäftigen, Gedanken gemacht. Einhelliges Ergebnis (in Kurzform): Wer sich nicht in’s Netz begibt, kommt darin um.

    Vor allem aber: Wie weiter?
    Wichtiger scheint mir aber jetzt die Frage, wie es weitergehen kann. Ich bin nicht daran interessiert, Fronten zu verhärten. Die Kritik an einzelnen Positionen, die auf dem Kongress keinen rechten Platz gefunden hat, hat hier und wird in den nächsten BDK-Mitteilungen Platz finden. Aber im Raum steht vor allem die Frage: Wie kann ein nächster „Bundeskongress“ der Kunstpädagogik aussehen? Deshalb bitte weiterhin: produktive Vorschläge zur Gestaltung hier bekannt machen und diskutieren lassen!!

  21. Um die Debatte über die Düsseldorfer Plenumsbeiträge weiterhin sachlich zu halten, wäre es dringend geboten, dass Johannes Kirschenmann, Hubert Sowa und die anderen Referenten ihre Vortragstexte online verfügbar machen. Dies sollte auch im Sinne der Vortragenden sein, denn dann hätte „Geschwätz über Gerüchte“ (s. o.) keine Basis – was nicht heißen soll, dass ich diese Zuschreibung für zutreffend halte. Die Stärken und Schwächen der Texte lägen offen zutage und könnten jetzt von vielen und nicht erst nach Erscheinen der Tagungspublikation diskutiert werden.

    Wir sollten dabei bleiben, den Inhalt auch jenseits der Präsentationsform zu untersuchen. Sonst wäre es zu einfach, ausgehend von der Form des Düsseldorfer Kongresses dessen Inhalt zu diskreditieren.

    Was einen nächsten „Bundeskongress“ angeht: Die Vorbereitung sollte unbedingt auf eine breite personelle und inhaltliche Basis gestellt werden. Das hat beispielsweise in Leipzig m. E. gut funktioniert.

    Plenumsvorträge mit anschließender Diskussion halte ich weiterhin für eine geeignete Form unter anderen, auch bei zwei- oder dreihundert TeilnehmerInnen. Zudem bin ich ein Anhänger von erstklassigen Keynotes aus relevanten Bezugswissenschaften. Allerdings sollten frontale Formen nicht zu viel Raum einnehmen.

  22. ich finde die Idee den kommenden Bundeskongress im Bild des „Netzdialogs“ zu entwickeln, auf den „Schultern vieler“ auszutragen reizvoll und anregend. Vor dem Kongress in Düsseldorf hatten wir in Potsdam überlegt, ob es nicht sinnvoll sei, den Bundeskongress an die Uni Potsdam einzuladen, gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen „Abschaffung“ der Kunstpädagogik an der Universität, ein bisschen aus dem Beweggrund heraus „dort wo nicht mehr viel ist, kann Neues entstehen“ – aber wirklich funktionieren kann so ein Unternehmen nicht „vom Rand“ aus. Um einen Blick auf die Vielfalt der Kunstpädagogik zu erhalten – wäre es neben dem Wunsch möglichst viele an der Gestaltung des Kongresses zu beteiligen nicht auch eine Möglichkeit DEN Kongress an vielen, kleinen, großen … (unterschiedlichen) Orten stattfinden zu lassen?

  23. @ torsten:
    ich glaube es wäre an der zeit, einen neuen thread für die konstruktiven ideen zukünftiger organisationsformate auf deinem blog zu eröffnen… (was auch wieder von einer deiner tagwolken begleitet sein könnte) 😉

  24. Hi,

    wie kann man sich über solche Petitessen wie einen uninspirierten Kongress aufregen, wenn der Kunstpädagogik zurzeit doch durch die kybernetische Achse des Bösen, die das Bildungssystem durchgehend steuert, der Boden entzogen wird?

    PM

  25. … und weil gerade in diesen bösen Zeiten uninspirierte „Petitessen“ um so überflüssiger sind und die Zeit für konstruktive „Grandessen“, wie dieser Blog sie ermöglicht, reif ist (s. „Bundeskongress ff. Möglichkeiten“, von Torsten bei allem Zeitaufwand sogar noch moderiert).

  26. Auf der Website des BDK findet sich seit kurzem eine Kurzfassung des Vortrags von Hubert Sowa. Sehr schön, dass Hubert seinen Beitrag so schon vor der eigentlich geplanten Veröffentlichung zur Diskussion stellt!

  27. Hallo,

    es gibt ja in unserer Zumft seit den neunziger Jahren hervorragende Positionen, leider werden die von den hirntoten Mainstream-Funktionären, die über KUNST + UNTERRICHT und BDK-Mitteilungen Deutungshoheit beanspruchen, weitgehend ausgeblendet. Kein Wunder, denn sonst wären die Langweiler bald beschäftigungslos. Wer auf einen BDK-Kongress geht, ist selbst schuld, was ist da schon zu erwarten? Und wer Blohm nach „neuen Formaten“ fragt, begibt sich auch nicht gerade ins kunstpädagogische Wunderland, es sei denn, man/frau wollte die Schlafkrankheit mit Tse-Tse-Fliegen bekämpfen.

    T-Wolf

  28. was sagt denn der aufbegehrende t-wolf, wenn er nach „neuen formaten“ gefragt würde? welche hervorragenden wachmacher würde er nennen? nur zu…

  29. Ich sehe auch einiges anders als die von Dir, Torben Wolf, angesprochenen Verantwortlichen. Mit Rundumschlägen und Beleidigungen werden wir aber auf beiden Seiten nicht weiterkommen. Im Gegenteil: „Siehste“, könnte Hubert Sowa nach Deiner Äußerung mit einigem Recht sagen, wenn er die Diskussion scheute. Dass er dies – entgegen mancher Annahme – nicht tut, zeigt die Veröffentlichung der Kurzfassung seines Düsseldorfer Vortrags.

    Ich schließe mich Juttas Fragen an und hoffe auf fundierte Beiträge Deinerseits.

  30. @T-Wolf
    Ich hatte Torben Wolf vorgestern per eMail gebeten, die Form seines Kommentars zu überdenken, die persönlichen Angriffe herauszunehmen und statt dessen etwas mehr über die „hervorragenden Positionen seit den neunziger Jahren“ zu schreiben und bessere “neue Formate“ für Kongresse konkret vorzuschlagen, damit aus dem Kommentar ein produktiver Beitrag zur Diskussion wird. Darauf hat es bis jetzt leider keine Reaktion gegeben.
    Das bedaure ich sehr. Die Form des Beitrags halte ich so für nicht angemessen. Da die Kommentarfunktion hier unzensiert und öffentlich ist, solange die Beiträger sich als AutorInnen zu erkennen geben, muss die kunstpädagogische Community den Beitrag in der vorliegenden Form zur Kenntnis nehmen (und selbst entscheiden, welche Schlüsse daraus zu ziehen sind).

  31. ich habe gerade die neuesten BDK-Nachrichten gelesen. Ich unterstütze mit Zufriedenheit die von Hubert Sowa gezeigte Emotionalität seines Vortrages, dies zunächst einmal ohne inhaltliche Wertung. Er argumentiert messerscharf.
    Wer seine Meinung nicht teilt, kann sich provoziert fühlen. Dies ist in der Kunst üblich, führt zu Gegenreaktionen.
    Einige polemisch geäußerte Beispiele finden sich ja in dem Heft.
    Ich persönlich befinde mich gedanklich so ziemlich in der Mitte des Meinungsspektrums.
    Ein von Sowa gewünschtes Spiralcurriculum, das allen SchülerInnen einen Einblick in die Vielfalt unserer gesellschaftlichen Realität bietet (und hierzu gehört ja wohl auch ein Aufrollen historischer Zusammenhänge, ohne die wir die Gegenwart nicht erklären könnten; das schafft ja erst die nötige Transparenz, den Ideenreichtum, der über Jahrhunderte gewachsen ist> dies ist nicht reaktionär, das Gegenteil wäre der Fall. Wir lernen so in kritischer Distanz unsere eigene Position zu überdenken), in der sie sich außerdem gemäß ihren individuellen Dispositionen wieder finden und produktiv werden können, fände ich sinnvoll, zumindest als Bezugspunkt>
    Als mögliche Nebeneffekte> kein vor sich hin Wurschteln, v.a. eine klare Orientierung für SchülerInnen, keine versifften Kunsträume,..und wenn diese dann auch noch medial optimal ausgestattet wären, so dass wir wechselweise ausgehend teils vom medialen Interesse der SchülerInnen im Sinne von Torsten Meyer u.a. teils von kunsttheoretischen bzw. handwerklichen Gegebenheiten ganz unterschiedliche Realitätsebenen miteinander verknüpfen könnten!!!
    Stattdessen> dunkle, schlecht gelüftete, miefende Computerräume> unwirtliche Räume!
    Eva Fuß

  32. Nach der Lektüre dieses Blogs sowie der aktuellen BDK-Mitteilungen kann ich es mir als Student und somit Vertreter der „jüngeren Generation“ nicht verkneifen, folgende Fragen in den virtuellen Raum zu stellen:

    1. Worin besteht die Rechtfertigung von Kunstunterricht und wie steht diese in Beziehung zum Ideal einer allgemeinen Bildung, zu den gesellschaftlichen Bedingungen sowie zum Individuum?

    2. Jedes kunstdidaktische Modell – von Adolph Stuhlmanns Zeichenunterricht bis zu aktuellen Positionen – hat Stärken und Schwächen. Wie sehen diese Stärken und Schwächen bei jedem einzelnen Modell genau aus?

    3. Wie stehen die Stärken und Schwächen im Bezug zur Antwort auf Frage 1?

    4. Wie kann aus den Antworten auf Fragen 1 bis 3 eine verantwortbare und zeitgemäße Fachdidaktik entwickelt werden?

    5. Braucht man dazu wirklich W-Lan, Twitterwalls und T-Shirts?

  33. Denken: Verrenken

    Modelle: Eisenbahnbauer, Miniatur!

    Mehr Entspannung bitte!

    Euer Doktor von Wilbert

  34. Ich war weder bei dem Kongress, noch hatte ich Einblick in den auf den vorgestellten Gegenpositionen basierenden konkreten Kunstunterricht. Somit bin ich im Prinzip parteilos bezogen auf diesen fachlichen oder gar persönlichen Konflikt.

    Meines Erachtens sind die konkreten künstlerisch-gestalterischen Schülerarbeiten, die in einem Unterricht entstehen, ein verlässlicher Indikator für die Qualität dieses Unterrichtes, da an diesen i.d.R. sehr deutlich abgelesen werden kann, wo Schülern eine „Loslösung von schematischen Ergebnissen“ gelungen ist. Diese Loslösung ist nicht selbstverständlich, sondern stets Zeichen eines bewussten Lernprozesses.

    Auf dem Mangel fehlenden Einblickes in konkreten Unterricht beruhend, kann meine nun vorgetragene Sorge unbegründet sein. Ich möchte sie dennoch äußern:

    Mir scheint, dass viele (und oftmals offensichtlich studentische) Redner mit Schlagwörtern operieren, die das Bedürfnis nach zeitgemäßen aktuellen Ansätzen (Interkulturalität, Kompetenz im Umgang mit aktuellen Medien, Kunst auch kuratieren statt produzieren, Vernetzung, digitale Rückmeldungen via Twitter, Experiment statt Nachahmung etc., Beuys‘ soziale Plastik…) transportieren, wobei diese im Fach Kunst wohl oder übel zunehmend als überkommen eingestufte Verfahren und Inhalte (ggf. auch klassische handwerkliche Fertigkeiten) ablösen sollen/ zwangsweise werden.
    Dies alles geschieht vermutlich auf der Basis eigener Faszination für die Möglichkeiten in diesen neuen Aktionsfeldern.
    Dagegen ist per se nichts einzuwenden.

    Allerdings könnte bei einer Selbstbeobachtung doch auffallen, dass viele der genannten Inhalte und Tätigkeiten (s.o…, Verzeihung! Leider fehlen mir die entsprechenden Quellenangaben, die Lektüre liegt einige Zeit zurück) zu kognitiveren, vergeistigteren oder „immaterielleren“ Schüleraktivitäten führen. (Ich finde schon, dass eine auch haptisch erfassbare Vorlage beim Naturstudium einen sinnlicheren Charakter hat, als jegliche digitale Schöpfung.) Fraglich bleibt auch, auf welches künstlerisch-gestalterische Langzeit-Ziel diese zeitgemäßen Tätigkeiten/ Inhalte abzielen. Bei dem klassischen Dreigespann „Wahrnehmen- bewusst Gestalten – Reflektieren“ wird mir das klarer.

    Kurz: Ich sorge mich um die gezielte Ausbildung von anspruchsvollen Gestaltungsfertigkeiten sowie von Materialsensibilität.

    Ganz nebenbei sehe ich in den klassischen Ansätzen auch eher die Chance zu konzentrierter Arbeit. Multitasking oder Konzentration? Die Hirnforschung spricht sich hier nicht zugunsten des Multitasking aus. (Sollen Zuhörer wirklich während Vorträgen, Konzerten, Theaterbesuchen Ihre spontanen und noch unreflektierten Meinungen twittern? Entsteht hierbei wirklich ein erkenntnisfördernder Diskurs?)

    Wenn mir alte Schriften zur visuellen Kommunikation in die Finger geraten, dann spüre ich schon die gut gemeinte visionäre Stimmung. Aber letztlich kommt mir angesichts der mangelnden Sinnlichkeit dieser Kunstunterrichtsideologie schon das Grauen.

    Ich muss gestehen, dass sich die wenigen Ausführungen von Herrn Sowa, die ich in 2 BDK Artikeln gelesen habe, sehr gut mit meinen langjährigen Praxiserfahrungen in Einklang bringen lassen, so dass ich diesem Autor ein Interesse an der ganzheitlichen Bildung des Schülers wie auch ein Verständnis von sinnvollen und gelingenden Bildungs- und Lernprozessen unterstelle.
    Diese vermeintlich rückwärts gewandte Position schließt ja nicht aus, dass aktuelle Inhalte (Interkulturalität) Eingang in unser Fach finden. Nur eben nicht auf Kosten wertvoller Bildungs- und Erlebnissituationen junger Menschen.

    Sammeln Sie konkrete Unterrichtspraxis, denken Sie an Reichhaltigkeit und bitte…

    DON’T DESTROY sensibilität!

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