Hyperkult: Versuch über das Prinzip Database

Ich denke, also bin ich.
(René Descartes)

Naja, du weißt wer du bist. Und du weißt alles Mögliche über dich selbst. Aber was den alltäglichen Kleinkram betrifft, sind Notizen wirklich sinnvoll.
(Leonard Shelby)

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Die traditionsreiche Lüneburger HyperKult-Tagung fand dieses Jahr schon in der ersten Juliwoche statt. Christina Ferner hatte in Ihrem neuen blog schon darüber berichtet. Thema der diesjährigen Tagung war Ordnungen des Wissens. Ich hatte mich mit einem experimentellen Vortrag um Beteiligung beworben, der auf meine Auseinandersetzung mit Christopher Nolans Film Memento und Lev Manovich Behauptung der Database as a symbolic Form zurückgeht. Dazu gab es schon eine Print-Publikation (Erstveröffentlicht als: Meyer, Torsten: Wahn(-) und Wissensmanagement. Versuch über das Prinzip Database, in: Pazzini, Karl-Josef; Schuller, Marianne; Wimmer, Michael (Hg.): Wahn – Wissen – Institution. Undisziplinierbare Näherungen, Bielefeld: transcript 2005, S. 221-246) und ein Filmprojekt, das im Kontext mehrerer Lehrveranstaltungen entstanden ist und in open-distance-learning-Zusammenhängen (im Kontext ePedagogy Design – visual knowledge building) als Exposition Anwendung findet.

Hier das Abstract für den Lüneburger Vortrag:

Versuch über das Prinzip Database

Man könnte es als einen für das Computerzeitalter spezifischen Wahn bezeichnen: Die Welt als Database. Von nichts mehr zusammengehalten als einer – paradoxerweise auch noch höchst rigiden – technischen Struktur, ohne irgendeinen Kontext, roten Faden oder thematische Präferenz. Anything goes, Sinn on demand …

„Indeed, if after the death of God (Nietzsche), the end of grand Narratives of Enlightenment (Lyotard) and the arrival of the Web (Tim Berners-Lee) the world appears to us as an endless and unstructured collection of images, texts, and other data records, it is only appropriate that we will be moved to model it as a database.“

Lev Manovich behauptet die Database als aktuelle „key form of cultural expression“. Erwin Panofskys Analyse der Zentralperspektive als Symbolischer Form der Neuzeit folgend, schlägt er vor, Database als eine gegenüber der Perspektive neue Symbolische Form zu denken. Im Sinne einer epistemischen Grundstruktur kann der auf Ernst Cassirer zurückgehende Begriff der Symbolischen Form als Wissensmanagementsystem auf Meta-Ebene gedacht werden, das (auf begriffs-konzeptioneller Ebene) in etwa vergleichbar dem „historischen Apriori“ ist, das Michel Foucault in seiner „Archäologie des Wissens“ den einzelnen untersuchten Epochen unterstellt: ein epochenspezifisches Set von Bedingungen kognitiven, kommunikativen und sozialen Prozessierens, eine Art blinder Fleck des Denkens, Wissens, Erkennens.

Der Beitrag stellt einen Versuch dar, Manovichs These der „database as a symbolic form“ in einem inszenierten Selbstexperiment zur medieninduzierten Wissensformation zu überprüfen. Inhalt und Form des Beitrags werden nach dem Beispiel des Films „Memento“ (Christopher Nolan 2001) aufeinander bezogen. Der Protagonist des Films, Leonard Shelby, ist ein Detektiv mit Gedächtnisstörungen. Er wird hier probehalber als Wissenschaftler gesetzt: Einem Detektiv geht es immer um die Wahrheit, im klassischen Detektivroman zumeist entlang der Frage, wer der Mörder ist. Um der Wahrheit nahe zu kommen, sammelt er die Indizien, die Zeugenaussagen, ordnet sie, kombiniert, rekonstruiert den Tathergang, fügt ein Puzzle zusammen, dessen Bild am Ende die Wahrheit zeigt und den Mörder überführt. Der Detektiv sammelt, so könnte man sagen, viele kleine Geschichten und ordnet sie zu einer großen zusammenhängenden. Klar, dass ein Detektiv mit Gedächtnisstörungen dabei einige Schwierigkeiten hat …

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