Mediologie als Methode

Nachtrag: Im Mai hatte ich an der mit einem gleichnamigen Publikationsprojekt (siehe cfp) verbundenen Tagung Mediologie als Methode an der Humboldt Universität Berlin teilgenommen. Vertreter ganz unterschiedlicher Disziplinen trugen vor zur Frage, ob und in welcher Weise Mediologie als Methode in den verschiedenen Fachgebieten angewandt werden kann.

Ich hatte in meinem Vortrag wieder einmal den grandiosen Sketch aus der norwegischen TV Show „Øystein & Meg“ eingesetzt, der auf so amüsante Weise zeigt, dass auch das Buch einmal ein „Neues Medium“ gewesen ist.

Die per mediologischer Methode zu bearbeitende Forschungsfrage hatte ich ausgehend von ein paar recht weitsichtigen Bedenken Hartmut von Hentigs formuliert: „Können wir wirklich annehmen, dieses Gerät lasse sich in unsere Schulen holen – als neuer Unterrichtsgegenstand und als neues Unterrichtsmittel, ohne daß das Folgen [hat] für das Ganze, für den „Lehrplan des Abendlandes“, für unsere Auffassung von Bildung und Kultur […]?“ (Hartmut von Hentig: Die Flucht aus dem Denken ins Wissen, in: Medien + Erziehung, Nr. 40, 6/1996, S. 330).
Ganz im Sinne dieser Bedenken gehe ich davon aus, dass es (und zwar erhebliche) Folgen hat, wenn wir „dieses Gerät“ in unsere Schulen (und Hochschulen) holen. Im Gegensatz zu Hartmut von Hentig gehe ich allerdings davon aus, dass es sich „dieses Gerät“ gar nicht mehr vermeiden lässt, weder in der Schule noch sonst irgendwo. Die Frage, die ich mittels mediologischer Methoden zu beantworten suche, kann ich in Anlehnung so formulieren: Was wird aus dem Lehrplan des Abendlandes, aus unserer Auffassung von Bildung und Kultur usw. jetzt, wo sich „dieses Gerät“ in unseren Schulen und Hochschulen nicht mehr vermeiden lässt?

Thomas Weber, mit Birgit Mersmann Initiator der Tagung und der Publikation berichtet (per mail): „Dabei kamen erstmals Vortragende aus allen deutschsprachigen Ländern sowie Redaktionsmitglieder einschlägiger mediologischer Publikationen (Cahiers de Mediologie, médium) aus Frankreich zusammen. Alle Beiträge (die Buchveröffentlichung ist für 2008 geplant) bemühten sich um eine interdisziplinär nachvollziehbare Darstellung und zeigten einen unerwartet breiten Basiskonsens der Teilnehmer, der einen mediologischen Ansatz als mögliche Perspektive für praktisch alle angesprochenen Disziplinen erkennen lässt – von der Religionswissenschaft bis hin zur Pädagogik, von der Rechtswissenschaft hin zur Soziologie und selbstverständlich auch der Medienwissenschaft. […]
Die Beiträge entwarfen Gegenstandsbereiche, für die die Mediologie in besonderem Maße geeignet ist, führten paradigmatisch eine mediologische Analyse an einem Gegenstandsbereich durch oder betonten stärker den programmatischen Impuls der Mediologie für die etablierten Disziplinen und versuchten in der Applikation eines mediologischen Ansatzes auf ihre jeweiligen Fachgebiete auch das Programm der Mediologie zu hinterfragen. Dabei zeigte sich, dass alle Vortragen nicht von einer feststehenden Vorstellung von Mediologie ausgingen (also nicht versuchten, einer festgefügten Norm von dem, was Mediologie sei, zu entsprechen), sondern eigene programmatische Akzente setzten, was den offenen Charakter der Mediologie unterstreicht. […]“

Die website www.mediologie.avinus.de wurde anlässlich der Tagung zu einem Forum des „Netzwerks Mediologie“ ausgebaut, Till Nikolaus von Heiseler hat ein Tagungs-Wiki eingerichtet und er wird die Vorträge der Tagung auf der WebSite http://www.formatlabor.net/blog/ als Videostreams präsentieren (in einigen Wochen einsehbar).

3 Gedanken zu „Mediologie als Methode

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