Kunst und ihre Didaktik
* 1965
STiNEs Kinderkrankheiten

“STiNE ist das internetbasierte Studien-Infonetz der Universität Hamburg – ein integriertes Informations- und Kommunikationssystem für Studium und Lehre. Über STiNE können müssen Studierende, Lehrende und die Verwaltung ihren Uni-Alltag schnell und effizient per Mausklick organisieren. Die wesentlichen Funktionen von STiNE sind ab dem Wintersemester 2006/07 verfügbar. Einige Erweiterungen werden zum Sommersemester 2007 eingerichtet.” (https://www.stine.uni-hamburg.de)Gewünscht hatte ich mir so etwas ja schon lange … – bzw. realisiert hatte ich so etwas schon lange, allerdings nur für mich und ein paar Kollegen: Eine webfähige Datenbank, in der sich Studierende für meine Veranstaltungen anmelden können. Ich habe dann einen Überblick über die Teilnehmer der Seminare, kann allen per Mausklick eine eMail schreiben, bei z.B. Prüfungsanfragen leicht sehen, welche Veranstaltungen eine Studentin bei mir in den vergangenen Semestern belegt hat, daraus ihre Studienschwerpunkte und -interessen erahnen usw. Auch war damit die Veranstaltungsdatenbank verkoppelt und die Personaldatenbank meines Fachbereichs. Alle studienrelevanten Infos also an einem Punkt zusammengebunden.Die universitätsweite Verwirklichung in Form von STiNE hat allerdings noch ein paar Kinderkrankheiten, die keineswegs harmlos sind. Ich befürchte, sie sind hochansteckend und können erhebliche Komplikationen und Folgeerkrankungen mit sich bringen. Impfungen bieten keinen wirksamen Schutz. Es kommt immer wieder zu Ausbrüchen. In Hamburg sind seit Oktober über 13.000 Fälle gemeldet worden …
Auch abgesehen von den im Abendblatt erwähnten wohl hardwaretechnischen Problemen ist vieles am Bedarf der universitären Lehre bzw. des universitären Studiums vorbei und mal wieder aus der neurotischen verwaltungsinformatorischen Perspektive gedacht: Das Einloggen hält 30 min., danach wird man wieder rausgeworfen und kann sich – sofern man die kryptische Kennung bAE7839 o.ä. und das ebenso zwangsweise kryptische Passwort noch im Kopf hat – erneut einloggen. Zudem wird in diesem Hochsicherheitstrakt mit Pin/Tan-Verfahren gearbeitet, sehr komfortabel im ganzen
Die usability der Menüführung ist noch prä-web1.0, der online-support liest die um Hilfe bittenden eMails nicht richtig und antwortet mit irgendwelchen Standard-Schuld-ist-immer-der-dumme-user-Ratschlägen. Und – der Knüller zu Zeiten von “2.0″ – die Studierenden bekommen zwangsweise eine neue zusätzliche Standard-eMail-Adresse. Darüber haben sich ausnahmslos alle 85 Studenten gestern in meiner ersten Lehrveranstaltung in diesem Semester beklagt. Wir nutzen deshalb zur Kommunikation wie gehabt CommSy. Da kann jeder user selbst entscheiden, an welche Adresse wichtige Informationen gesendet werden. Die Postkästen unter student.xy@studium.uni-hamburg.de werden blackholes bleiben.Bzgl. Spätfolgen wird abzuwarten sein, wie die neurotischen Informationsstrukturen von STiNE das Studien- und Lehrverhalten gängeln, ob es Wege um die Verwaltungstücken herum gibt, die sinnvolles Studieren trotz STiNE erlauben, oder ob STiNE irgendwann ihre Kinderkrankheiten überwunden haben wird (5 Jahre so die aktuellen Schätzungen) und dann wirklich universitäre Lehre unterstützt statt sie zu erschweren.
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Irgendwie erinnert mich der Bericht an meine Studienzeiten, in denen ich mich an genau solche irrsinnigen Aktionen der Uni Hamburg gewöhnt hatte. Scheinbar schafft sie es nach wie vor nicht, die eigenen Ressourcen zu nutzen. Wahrscheinlich ist sie sich derer noch nicht einmal bewusst.
Mich würde noch interessieren, wie viel STiNE
die Stunde nimmtder Uni kostet oder gekostet hat.Kommentar von Daniel Röhe — 25. Oktober 2006 #
Wem Stine nicht passt, der kann sich hier melden:
http://www.netidentity.com/Landing7.aspx?d=stine.com&mp=DomainRedirect&DomainID=18855&CategoryID=101522047
Kommentar von Pazzini — 25. Oktober 2006 #
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