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Vortrag "Organizing the World's Information"

T. Schaepe hat mich auf diesen interessanten Vortrag im Rahmen des Informatik-Kolloquiums aufmerksam gemacht:

Dr. Nelson M. Mattos, Google Vice-President of Engineering for Europe, Middle East, and Africa,

spricht zu dem Thema „Organizing the World’s Information“ am Freitag, den 25. April 2008, 10:00 Uhr im Uni-Hauptgebäude Edmund-Siemers-Allee 1, Hörsaal B (Agathe-Lasch-Hörsaal).

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PDF-Einladung

Horizonte und Visionen 2008

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, soll Alt-Bundeskanzler Schmidt gesagt haben. Das könnte Vorlage für das obige Video gewesen sein: „Essay about the Future.“

Einen möglicherweise vergleichbaren Blick in die Zukunft bietet der Horizon Report für 2008, der vor ein paar Tagen herausgekommen ist. Seit 2002 betreiben New Media Consortium und EDUCAUSE learning initiative das Projekt. Jährlich wird ein Ausblick auf wesentlich erscheinende Entwicklungen im Bereich der Medientechnologien und ihre vermuteten Wirkungen auf den Bildungsbereich gegeben. Schwerpunkt liegt dabei auf dem Hochschulsektor, aber mit etwas Interpolation können Schlüsse für die allgemeinbildende Schule gezogen werden.

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Neben der Identifizierung der „Key Emerging Technologies“ (jeweils mit Beispielen und weiterführenden Links) werden damit verbundene „Significant Trends“ und „Critical Challenges“ beschrieben:

Key Emerging Technologies in 3 Time-to-Adaption-Horizons:

1 year or less

  • Grassroots Video
  • Collaboration Webs

2 to 3 years

  • Mobile Broadband (siehe dazu auch das obige Video)
  • Data Mashups

4 to 5 years

  • Collective Intelligence
  • Social Operating Systems

Critical Challenges:

  • Significant shifts in scholarship, research, creative expression, and learning have created a need for innovation and leadership at all levels of the academy.
  • Higher education is facing a growing expectation to deliver services, content and media to mobile and personal devices.
  • The renewed emphasis on collaborative learning is pushing the educational community to develop new forms of interaction and assessment.
  • The academy is faced with a need to provide formal instruction in information, visual, and technological literacy as well as in how to create meaningful content with today’s tools.

Significant Trends:

  • The growing use of Web 2.0 and social networking—combined with collective intelligence and mass amateurization—is gradually but inexorably changing the practice of scholarship.
  • The way we work, collaborate, and communicate is evolving as boundaries become more fluid and globalization increases.
  • Access to—and portability of—content is increasing as smaller, more powerful devices are introduced.
  • The gap between students’ perception of technology and that of faculty continues to widen.

Download des Horizon Report 2008 als PDF: www.nmc.org/pdf/2008-Horizon-Report.pdf

From calamari to cellphone college

„In fünf Schritten von Würstchen zu Plato“ hatte ich hier (S.46) Umberto Eco zitiert: „Aber ich sammelte Erfahrungen, akkumulierte Kenntnisse und warf nichts weg. Alles wurde säuberlich in Karteien verzettelt. Ich dachte noch nicht daran, die Karteien in einen Computer zu übertragen …, aber ich hatte mir eine Art künstliches Gedächtnis aus Kärtchen mit Querverweisen geschaffen. Kant – Nebelfleck – Laplace … Kant – Königsberg – die sieben Brücken von Königsberg – Theoreme der Topologie … Ein bißchen wie jenes Spiel, bei dem man durch Assoziation in fünf Schritten von Würstchen zu Plato gelangen soll. Sehen wir mal: Würstchen – Schwein – Borste – Pinsel – Manierismus – Idee – Plato. Leicht.“ (Eco, U.: Das Foucaultsche Pendel. München: Deutscher Taschenbuch Verlag 1993, 266)
Daran musste ich gerade wieder denken anlässlich der iPod-Werbung, auf die Beat Doebeli hinweist. Er schreibt, der Spot sei bestens geeignet, „die Fachbegriffe Konvergenz, mobile computing, ubiquitous computing (Biblionetz:w00533) und location based services (LBS) (Biblionetz:w01010) allgemein verständlich zu erklären.“
Daran erinnert wurde ich wiederum durch Weys Hinweis auf diesen Artikel aus der Chinapost: Cellphone college class opens in Japan. Die Cyber University bietet nun erstmals Kurse fürs Handy an: „For classes for personal computers, the lecture downloads play on the monitor as text and images in the middle, and a smaller video of the lecturer shows in the corner, complete with sound. The cellphone version, which pops up as streaming video on the handset’s tiny screen, plays just the Power Point images.“
Zurzeit ist das hier noch nicht recht vorstellbar (wie wir im Rahmen ePUSH gerade durch Gespräche mit Lehrenden der Fakultät festgestellt haben), aber mittelfristig werden iPhone ff wohl die Hochschule und Schule ganz gewaltig verändern. Wenn jeder Schüler die Wikipedia, das Internet, „das Wissen der Welt“ (so warb Lycos Ende der 1990er Jahre für das Internet) in der Hosentasche mit sich herumträgt, wird Schule von anderen Prämissen ausgehen müssen als z.B. der „An-eignung von Wissen“ (oder gar dem „Durchnehmen“ von „Stoff“).

Siehe dazu auch den Horizon Report 2007 über Mobile Phones (Time-to-adoption Horizon: Two to Three Years): „The convergence of ubiquitous broadband, portable devices, and tiny computers has changed our concept of what a phone is meant to be. A pocket-sized connection to the digital world, the mobile phone keeps us in touch with our families, friends, and colleagues by more than just voice. Our phones are address books, file storage devices, cameras, video recorders, wayfinders, and hand-held portals to the Internet—and they don’t stop there. The ubiquity of mobile phones, combined with their many capabilities, makes them an ideal platform for educational content and activities. We are only just beginning to take advantage of the possibilities they will offer.“

Von Pirat zu Wissensmanagement in fünf Schritten? Leicht … (dazu übrigens auch: Die Macht der neuen digitalen Unordnung (P. Baumgartner über David Weinbergers „Everything Is Miscellaneous. The Power of the New Digital Disorder“))

Siehe dazu auch Michael Weschs Information R/evolution, aber auch schon Ted Nelson anno 1974: Subjects? There are no subjects. Everything is deeply intertwingled.

Von der Bildung des Menschen zur Bildung der Communities?

[Abstract – Beitrag zur internationalen Forschungskonferenz „I hoch 4 – Interaktivität / Information / Interface / Immersion“, FAMe – Frankfurt / Forschungsnetzwerk Anthropologie des Medialen, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/M., Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, 26.-28.10.2007]

Das Buch war nicht nur in metaphorischem Sinn das bevorzugte Behältnis der großen Erzählungen. Mit der massenhaften Reproduktion des druckbaren Wissens nahm auch die große Erzählung von der „Bildung des Menschen“ ihren Lauf. Das humanistische Großprojekt und das graphosphärische Wissensmanagement bedingen einander.
In seinem „Bericht“ über das postmoderne Wissen hatte Lyotard jedoch schon geahnt, was in der „informatisierten Gesellschaft“ – nun in der Version 2.0 – wirklich und wirkend geworden ist: Das alte Prinzip, wonach der Wissenserwerb unauflösbar mit der Bildung des Geistes und selbst der Person verbunden ist, verfällt mehr und mehr. Wissen wird zu etwas Äußerlichem, zum Ding und zur Ware. Davon bleibt die „Natur des Wissens“ – so Lyotard – nicht unbehelligt und auch die Institutionen, die das Wissen produzieren, und jene, die das Wissen transportieren, bleiben nicht unbehelligt.
Aus mediologischer Perspektive sind deshalb die Universität, die Schule, das Museum (und auch die Familie) als „Organisationsformen menschlichen Zusammenlebens mit dem Auftrag, das geistige Vermächtnis lebendig zu halten“ (Debray), vor einige Herausforderungen gestellt. Der virtuelle Campus und die Schule am Netz (noch vielmehr das Internet im Kinderzimmer) haben nicht einfach nur mit neuen Kanälen für Texte, Bilder und Töne zu tun, sondern auch mit neuen „Gesten“ (Flusser) des Archivierens und den davon eingerahmten Formen des Wahrnehmens und des Wissens.
Dabei lässt sich beobachten: Das Verhältnis zwischen den Medien der Verbreitung von Wissen im Raum (Ubiquität) und den Medien der Verbreitung von Wissen in der Zeit (Historizität) wird zunehmend prekär. Die digitalen Infrastrukturen vergrößern die territoriale Reichweite (Globalisation), verkürzen aber die chronologische (Paideia). Die Gestalt der Zeit strebt in der digitalen Mediosphäre zum Punkt. Der Event und seine Performanz bestimmen die Gültigkeit von Wissen. Mit den Erzählungen von der Aufklärung und der Emanzipation, der Geschichte, dem Fortschritt, dem Diskurs der Wahrheit und der Vorstellung vom Wissen schaffenden Subjekt als kartesischem cogito hat das immer weniger zu tun.
Wenn in der Folge das Individuum als erkenntnistheoretisches Paradigma an Bedeutung verliert zugunsten des Wissen schaffenden Projekts und der sich darum bildenden Community, kann oder muss dann gar über eine Grund legende „Theorie der Bildung der Communities“ nachgedacht werden – mit der gleichen Tragweite, wie über die (auch anthropologischen) Grund legende „Theorie der Bildung des Menschen“ (Humboldt) nachgedacht wurde?

Symposion "Bildung im Neuen Medium"

Nun, da die Finanzierung dank BMBF gesichert ist, können wir endlich öffentlich machen, was wir schon seit Monaten ausbrüten: Der Arbeitsbereich des –MultiMedia-Studio– veranstaltet am 24. und 25. November 2006 im Warburg-Haus ein Symposion zum Thema –Bildung im Neuen Medium. Wissensformationen und -formatierungen in digitalen Infrastrukturen–.Wir konnten dafür erfreulicherweise sehr interessante ReferentInnen gewinnen: Elke Bippus, Remo Burkhard, Manfred Faßler, Monika Fleischmann, Michael Giesecke, Frank Hartmann, Markus Krajewski, Oliver Marchart, Winfried Marotzki, Trebor Scholz, Werner Sesink.Es wird ein „echtes“ Symposion in relativ kleinem Kreis mit hoffentlich guter Arbeitsatmosphäre, damit nicht nur gesichertes Wissen verteilt, sondern auch neue Informationen generiert werden. Ziel ist die inhaltliche Vernetzung der diziplinspezifischen Kommunikationsfelder (Erziehungswissenschaft, Informatik, Kommunikations- und Medientheorie, Medien- und Kulturgeschichte sowie der Künste), die sich u.a. in einer internationalen Buchpublikation im Jahr 2007 niederschlagen wird.

Näheres unter http://mms.uni-hamburg.de/symposion2006