Durchdringung von "realem" und "virtuellem" Raum

googlepin

Als späte Folge des Seminars „Visual Knowledge Culture“ aus dem Sommersemester 2008 ist nun der GoogleMaps-Pin auf dem Campus realisiert. Im Seminar hatte Markus Reuter die Konzeption entwickelt. Es ging um die gegenseitige Durchdringung von „realem“ und „virtuellem“ Raum.

Markus Reuter und Ole Koch haben für die Realisierung einen zwei Meter großen GoogleMaps Marker gebaut und vor der Fakultät EPB installiert Die Beschriftung des Markers in Form einer Sprechblase verweißt mit Hilfe einer URL und eines QR-Codes auf eine Webseite, die das Projekt beschreibt.

googlemaps

Digital Natives

Nun also doch: Ich hatte mehr der Metaphorik wegen schon mehrfach behauptet, die Digital Natives würden schon mit Handy am Ohr geboren, z.B. hier im Bericht von der mb21-Jury 2004: „Sie sind sozialisiert durch Google, Amazon und Ebay, kommunizieren per Email und SMS, als wäre das eine selbstverständliche Kulturtradition, downloaden ihre Musik aus dem Web, bewegen sich schwindelfrei in einem immer stärker digitalisierten Medienalltag aus Laptop und iPod, PDA und Wlan und werden vermutlich bald mit Handy am Ohr geboren.“
Nun ist es also soweit. Im (leider schon veralteten) Call for Proposals bei Next Nature habe ich dieses Beweisfoto von Koert van Mensvoort gefunden.

Projektseminar: Kommunikation und kulturelle Innovation im Zeitalter der Postironie und Utopie 2.0 (in Kooperation mit dem Schweizer Künstlerduo Com&Com)

Sommersemester 2009: In Kooperation mit Theresa Rieß (kiss-Stipendiatin, Kunsthochschule Kassel) und Johannes M. Hedinger (Com&Com)

Das Künstlerduo Com&Com, einst selbst durch ironische Zitatwerke bekannt geworden, riefen für 2009 das Jahr der Postironie aus. Programmatisch steht am Anfang ein Manifest: http://www.postirony.com. Unter diesem Dach wird es verschiedene Manifestationen geben, mindestens eines auch auf dem Campus der Universität Hamburg: „Unbuilt road #1“ (Arbeitstitel) ist ein Projekt, bei dem unrealisierte poetisch bis verrückte Ideen und Träume aufgespürt, sichtbar gemacht und teils realisiert werden.
Anhand des Projektes lassen sich Schnittstellen zwischen realen und virtuellen Räumen, zwischen Wünschen, Sehnsüchten und Lebenswirklichkeiten untersuchen. Das Seminar kreist um Themen wie Kreativitätstechniken, Partizipationsprozesse, kulturelle Innovation, Agenda-Setting, virales Marketing und visuelle Kommunikationsstrategien in social networks und collaboration webs, aber auch um soziale Utopien, Bildungsideale, Nachhaltigkeit, neue Emotionalität und die ungebrochene Schönheit (Beauty is the new Punk).

[Weiterlesen unter Lehre]
[Weiterlesen bei postirony.com]

global Adventskalender

Laut wikipedia ist der Adventskalender zwar eine typisch deutschsprachige Tradition. Unter der Überschrift „Globalisierung“ heißt es aber: „Da man Adventskalender mittlerweile weltweit vermarktet, müssen die Motive auch überall verstanden werden. Statt Maria und Josef finden sich so inzwischen auch Bären oder Bambis.“ – Hier ist man noch einen Schritt weiter gegangen in diese Richtung:

Dieser Adventskalender kann geradezu als Sinnbild dessen angesehen werden, was hinter dem Begriff „Globalisierung“ bei genauem Hinsehen steckt: Totale Abstraktion von kulturspezifischen Schnickschnack (Maria, Josef, Bären, Bambis) und Reduzierung auf das objektiv Wesentliche: 6 * 4 = 24.

In gewisser Weise ist das dem Prinzip Database im Sinne Lev Manovich vergleichbar: Totale Dekontextualisierung, die Welt als Database oder Pillenpackung. Von nichts mehr zusammengehalten als einer – paradoxerweise auch noch höchst rigiden – technischen Struktur, ohne irgendeinen Kontext, roten Faden oder thematische Präferenz. Totales anything goes: „Indeed, if after the death of God (Nietzsche), the end of grand Narratives of Enlightenment (Lyotard) and the arrival of the Web (Tim Berners-Lee) the world appears to us as an endless and unstructured collection of images, texts, and other data records, it is only appropriate that we will be moved to model it as a database.“ (Manovich: Database as a symbolic Form)

Tortendiagramme, Bauklötzer und ePUSH als Grassroot-Movement

Über infosthetics.com habe ich dieses geniale Tortendiagramm bei GraphJam gefunden. Es besticht durch vorbildlich saubere Empirie der dargestellten Datenlage und unmittelbare Anschaulichkeit des Sachverhalts. Vor allem besteht hier nicht, wie bei vielen anderen abstrakten Datenvisualisierungen die Gefahr, dass das Beschriebene mit der Beschreibung, z.B. die Speisekarte mit dem Essen verwechselt wird ( ;-).

Schön in diesem Zusammenhang übrigens auch der Hinweis auf den pac-man-pie-chart im Kommentar bei Infosthetics:

Im Rahmen der visuellen Evaluation von ePUSH suchen wir nach interessanten Möglichkeiten, den Projektverlauf und (hoffentlich) Projekterfolg sichtbar zu machen: Was sind die Indizes? Wie werden sie ins Bild gesetzt? Woran könnte man den Projekterfolg (kurzfristig) messen? Anzahl der bloggenden Professoren? Anzahl der Studenten, die ihr webbook mit in die Uni bringen? Anzahl der aufgehängten interactive whiteboards? Oder der darauf präsentierten Referate? usw. usf. …


Joshua Callaghan: Very Concerned, Somewhat concerned, Not at All Concerned, wood, paint, 4″ x 12″ x 50″

Anfang des vergangenen Semesters hatten wir zunächst die Ausgangslage analysiert und uns ein Bild über das Mediennutzungsverhalten der Studierenden der Fakultät gemacht. Das werden wir zu Beginn des Wintersemesters wiederholen und verfeinern. Die Daten sollen möglichst Aufsehenerregend dargestellt werden, also z.B. statt Standard-Excel-Balkendiagrammen wie etwa im eLearning-Barometer eine Realisierung (im doppelten Sinn) z.B. mit Bauklötzern als genial simple Form von physical information sculptures. (Siehe dazu auch noch einmal das Projekt Of All The People In All The World von Stan’s Cafe Theatre Company, das die Welt mithilfe von Reiskörnern darzustellen sucht. Die Anregung von Joshua Callaghan kam wiederum via infosthetics.com)

Die Ergebnisse der Erhebung im vergangenen Semester sind in Form eines interaktiven Grassroot-Movement im Webmagzin life.epb.uni-hamburg.de online zu sehen. Weiteres wird folgen …

Rückschau Lehre SoSe 08: Wissenschaftskongress mit 2.-Semestlern und Projektstudium visual knowledge culture

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Das Sommersemester war relativ stark geprägt von der Lehre. Ich habe insgesamt 5 Lehrveranstaltungen durchgeführt und dann noch im letzten Drittel ein weiteres Seminar für einen erkrankten Kollegen übernommen. Da ich in diesem Semester auch einige ganz vielversprechende Experimente in der Lehre durchgeführt habe, scheint eine kleine Rückschau ganz angebracht.
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Welt als solche sieht man nicht

Ästhetik verstehe ich vor allem als Frage nach Darstellung und auch nach Darstellbarkeit. Darum ist auch das, was nicht wahrgenommen werden kann, weil es unsichtbar (z.B.), jedenfalls nicht problemlos darstellbar ist, ein Thema Ästhetischer Bildung.
Schwer darstellbar zum Beispiel ist das, was oft leichtsinnig „Globalisierung“ genannt wird. Jacques Derrida weigert sich schon, nur das Wort „globalization“ zu verwenden. Er beharrt auf dem frz. „mondialisation“, das er als dt. „Weltweit-Werden“ wiedergibt. Er beharrt auf eine „Welt [monde, world, mundus], die weder der Kosmos, noch der Globus, noch das Universum ist.“ (Die unbedingte Universität, S. 11)
Die zentralperspektivische Version des Weltweit-Werdens, der Globus als fassbare Repräsentation, funktioniert nicht mehr. Der „Globus“ und die „Globalisierung“ suggerieren eine abstrakte Vogelperspektive, die mit den Details und den Differenzen nichts zu tun haben will. Derridas „Weltweit-Werden“ hingegen impliziert ein Anerkennen von Pluralität und damit verbundener Heterogenität der Kulturen.

Was wären angemessene Formen der Visualisierung des Weltweit-Werdens? Weiterlesen

Hyperkult: Versuch über das Prinzip Database

Ich denke, also bin ich.
(René Descartes)

Naja, du weißt wer du bist. Und du weißt alles Mögliche über dich selbst. Aber was den alltäglichen Kleinkram betrifft, sind Notizen wirklich sinnvoll.
(Leonard Shelby)

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Die traditionsreiche Lüneburger HyperKult-Tagung fand dieses Jahr schon in der ersten Juliwoche statt. Christina Ferner hatte in Ihrem neuen blog schon darüber berichtet. Thema der diesjährigen Tagung war Ordnungen des Wissens. Ich hatte mich mit einem experimentellen Vortrag um Beteiligung beworben, der auf meine Auseinandersetzung mit Christopher Nolans Film Memento und Lev Manovich Behauptung der Database as a symbolic Form zurückgeht. Weiterlesen

data visualization, Achterbahn, ePUSH

Schon vor einiger Zeit hatte mich die Visualisierung der Entwicklung der Immobilienpreise in den USA als Achterbahnfahrt fasziniert, die ich via infosthetics bei speculativebubble gefunden hatte.

Nun habe ich es anlässlich meines Seminars zur visual knowledge culture wieder aus den bookmarks herausgekramt. Parallel entdeckte ich in der aktuellen page diese wunderbare data visualization:

cola.jpg

Beides sind höchst interessante Beispiele, die uns auch für die Visualisierung der aktuellen Umfragen zur Mediennutzung unserer Studierenden (im Rahmen ePUSH) inspirieren können/sollten. Aktueller Anlass: Eine ansprechende Visualisierung der zurzeit erhobenen Daten soll das Warten auf den Launch der neuen Website life.epb.uni-hamburg.de verkürzen …